Wien für Fans des SC Freiburg

(Stand: April 2014)

Freiburg-Wien
Entfernung (Luftlinie): 633,4 Kilometer
Entfernung Dreisamstadion – Gerhard Hanappi Stadion (Auto): 831 Kilometer/Fahrtzeit: 8:08 Stunden (via Passau)
Anreise per Bahn: 8:30-10 Std (via Frankfurt, Zürich oder München)
Anreise per Flugzeug: 1x täglich via Basel, 5x täglich via Stuttgart, 10x täglich via Zürich
SCF-Fanclubs in Wien: Fehlanzeige
Befriedigung badener kulinarischer Sehnsüchte in Wien: Fehlanzeige. Freiburg-Fans mit Hang zur französischen Küche kann aber hier geholfen werden: Café Francais (www.cafefrancais.at, Währinger Straße 6-8, 9. Bezirk), Café Pierre (www.cafepierre.at, Windmühlgasse 32, 6. Bezirk), Le Bol (www.lebol.at, Neuer Markt 14, 1. Bezirk)
Bevorzugte Wohnadressen für SC-Fans, die nach Wien ziehen wollen: Finkenweg (18. Bezirk), Kohlgasse (5. Bezirk), Kramergasse (1. Bezirk), Sportklubstraße (2. Bezirk)
Freiburger (SC) in Wien: Martin Braun, Oliver Freund, Joachim Löw
„Wiener“ beim SC: Stephan Marasek, Michael Wagner, Philipp Zulechner

 

Auf fünf Stationen geht's für Fans des SC Freiburg durch Wien, ©rossorobot/wikimedia/bundesligainwien.at

Auf fünf Stationen geht’s für Fans des SC Freiburg durch Wien, ©rossorobot/wikimedia/bundesligainwien.at

Es gibt eine Reihe von Bezugspunkten zwischen dem SC Freiburg und der österreichischen Hauptstadt. Da wäre zum einen das Trainer-Gastspiel des Freiburger Rekordtorschützen und Ehrenspielführers Joachim Löw bei Austria Wien. Zum anderen ein reger Personaltausch zwischen dem SC und Rapid Wien in den 1990ern. Mit Martin Braun, Stephan Marasek, Oliver Freund und Michael Wagner spielten vier Freiburger auch für Rapid, Wagner sogar für beide Wiener Großvereine. Der SC Freiburg, 1994 in die Bundesliga aufgestiegen, hatte im Lauf seiner Erstligazugehörigkeit dagegen nicht viele Gelegenheiten für offizielle Gastspiele in Wien – noch nie kam es zu einem Pflichtspielduell mit einem Wiener Verein.

Gerhard Hanappi Stadion (1/Stephan Marasek) – Gloriette Schönbrunn (2/Martin Braun) – Heldenplatz (3/Oliver Freund) – Dritte Mann Tour (4/Jogi Löw) – Schweizerhaus (5/Michael Wagner): Gesamtdauer der Tour: 3:15 Stunden (ohne Verweildauer)

 

→ Die Wien-Tour beginnt mit einem Besuch im Gerhard Hanappi Stadion. Mit der U-Bahnlinie U4 oder der S-Bahnlinie 45 fahren wir bis zur Endhaltestelle „Hütteldorf“. Vom Bahnhof Hütteldorf sind es fünf Minuten zu Fuß bis zum Gerhard Hanappi Stadion.

 

Station 1 (Stephan Marasek): Gerhard Hanappi Stadion, Keißlergasse 6, 14. Bezirk

Gerhard Hanappi Stadion, ©bundesligainwien.at

Gerhard Hanappi Stadion, ©bundesligainwien.at

Ein Besuch im Gerhard Hanappi Stadion ist für Fans des SC Freiburg Pflicht. Immerhin war das Stadion während der 1990er und zu Beginn des neuen Jahrhunderts Heimstätte gleich mehrerer ehemaliger Freiburger Akteure. Martin Braun, Oliver Freund, Stephan Marasek und Michael Wagner – sie alle spielten zwischen 1993 und 2002 für den SK Rapid Wien und somit im stimmungsvollsten Vereinsstadion, das der österreichische Klubfussball zu bieten hat. Bis zu 17.500 Zuschauerinnen und Zuschauer passen heute in das 1976 eröffnete Stadion und sorgen für eine eindrucksvolle Atmosphäre, vor allem in den letzten fünfzehn Minuten jedes Heimspiels, wenn die so genannte „Rapid Viertelstunde“ eingeklatscht wird. Ein Ritual, das auch bei den Bundesliga-erprobten früheren Akteuren des SC Freiburg Wirkung zeigte. „Die Rapid Viertelstunde kannte ich vorher nicht und das beeindruckt einen Spieler natürlich. Wenn ein Spiel auf der Kippe steht, beflügelt das schon noch mal. Man merkt, dass die Fans wie eine Wand hinter der Mannschaft stehen“, erinnert sich Oliver Freund zurück.
Für Stephan Marasek war das Gerhard Hanappi Stadion der wichtigste Bezugspunkt in Wien während seiner drei Jahre bei Rapid. „Soviel Freizeit haben wir nämlich gar nicht gehabt. Unser damaliger Konditionstrainer hat immer auf einen sehr ausgelasteten Tag geachtet, speziell in der Vorbereitungszeit hatten wir extrem viele Trainingseinheiten“ so Marasek im Rückblick auf seine Wiener Zeit. Aufmerksam wurde der SC Freiburg auf Marasek unter anderem durch Rapids Triumphzug im Europapokal der Pokalsieger, der die Grün-Weißen 1996 bis ins Finale gegen Paris St. Germain führte. „Als wir mit Rapid im Halbfinale gegen Feyenoord Rotterdam standen, hatte ich Freiburg bereits zugesagt. Nach dem Finale kamen dann noch andere Angebote, darunter aus Dortmund und von Jörg Berger aus Schalke. „Manche haben damals gesagt, dass es vielleicht ein Fehler war, nach Freiburg zu wechseln. Doch wenn ich einmal jemandem eine mündliche Zusage gebe, mache ich das im Nachhinein nicht rückgängig. Heutzutage ist so eine Einstellung vielleicht nicht mehr üblich“, erklärt der 43-Jährige im Rückblick.
Das Freiburger Werben hatte großen Eindruck auf Marasek gemacht, „Volker Finke hat mich damals sogar persönlich vom Flughafen abgeholt. Leider Gottes hatte ich dann aber Pech mit Verletzungen und auch mit Finke kam ich nicht so gut klar. Fachlich war er zwar sehr gut, aber es musste immer alles nach seinem Kopf laufen.“ Der SC habe damals sehr viele Spieler gehabt, die woanders bereits erfolgreich gewesen seien, „trotzdem hat das nicht funktioniert. Und am Ende der Saison sind wir abgestiegen“. Für Marasek „sehr schade, denn es hat mir in Freiburg extrem gut gefallen. Die Leute drum herum waren sensationell und das Publikum hammermäßig“.
Warum er nach dem feststehenden Abstieg 1997 dann trotzdem wieder zurück nach Österreich gewechselt ist? „Ich war damals noch Nationalspieler und da wurde die Ansage gemacht, dass ich keine Chance auf das Teamdress habe, wenn ich in Deutschland nur 2. Liga spiele. Also habe ich mich breitschlagen lassen und bin nach Tirol gewechselt, schließlich wollte ich 1998 unbedingt bei der WM in Frankreich dabei sein.“
Und so entschied sich Marasek auch gegen ein Angebot von Greuther Fürth, das damals von Armin Veh („den kannte ich schon vorher, ein toller Typ“) trainiert wurde. Ausgezahlt hat sich der Wechsel zum damaligen österreichischen Meister aus Innsbruck in Hinblick auf eine Teilnahme an der WM-Endrunde jedoch nicht, Marasek wurde von Teamchef und Austria Wien Legende Herbert Prohaska nicht in den WM-Kader einberufen. „Tiroler waren zur damaligen Zeit nicht sonderlich beliebt im Nationalteam. Aber es ist alles für etwas gut, denn ich habe in Innsbruck bei einem tollen Verein gespielt und werde hier auch nicht mehr weggehen“, so der nach wie vor in Tirol beheimatete Marasek.

Stephan Marasek (*1970 in Mödling/Ö) spielte zwischen 1993 und 1996 für den SK Rapid Wien (99 Spiele, 5 Tore). Für den SC Freiburg absolvierte er in der anschließenden Saison lediglich acht Spiele, anschließend wechselte er zum FC Tirol Innsbruck (135 Spiele, 4 Tore), wo er 2000, 2001 und 2002 Österreichischer Meister wurde. Anschließend wechselte er für eine Saison zum SV Salzburg, wo er seine Profikarriere 2003 ausklingen ließ.

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Leider werden keine Stadionführungen durch „St. Hanappi“ angeboten. Das Rapideum Vereinsmuseum (www.skrapid.at, im Inneren der Südtribüne) bietet jedoch eine Reihe interessanter Ausstellungsstücke rund um Verein und Stadion.
  • Otto Wagner Kirche am Steinhof (www.wienkav.at, Baumgartner Höhe 1, mit S45 und Bus 48A ca. 30Min Wegzeit)
  • Ernst Fuchs Museum (www.ernstfuchs-zentrum.com, Hüttelbergstraße 26, mit Bus 52b ca. 15Min)
  • Lainzer Tiergarten mit Hermesvilla via Nikolaitor (www.lainzer-tiergarten.at, Ecke Nikolausgasse/Himmelhofgasse, zu Fuß ca. 15Min)

Kulinarik:

  • Stag’s Head (www.stags-head.at, Keißlergasse 1, 14. Bezirk): Irish Pub, Bier 0,25l (Stag’s Draft, Ottakringer, Irische Biere) 2,30-2,80€, Schnitzel 8,90€

→ Mit der U4 fahren wir von der Haltestelle Hütteldorf (Fahrtrichtung Heiligenstadt) zur Haltestelle Schönbrunn. Wir verlassen die Haltestelle über den (in Fahrtrichtung) hinteren Ausgang, überqueren die Schönbrunner Schlossstraße und folgen den Menschenströmen rechts zum Haupteingang der Schönbrunner Schlossanlage. Rechts am Schloss vorbei durch den Rosengarten gelangen wir auf die Rückseite des imperialen Prachtbaus und machen uns auf zur auf dem Schönbrunner Berg stehenden Gloriette. Wegstrecke: 35 Minuten.

 

 

Station 2 (Martin Braun): Gloriette Schönbrunn, 13. Bezirk

Gloriette, ©bundesligainwien.at

Gloriette,
©bundesligainwien.at

War Martin Braun, der zwischen 1990 und 1995 für den SC Freiburg kickte, während seiner zwei Jahre beim SK Rapid auf der Suche nach Entspannung und Ablenkung vom Fußball-Alltag, führte ihn sein Weg auf die Gloriette, ein in der Schönbrunner Schlossanlage gelegenes Säulengebäude. Das Bauwerk wurde im Auftrag der Habsburger durch Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg 1775 erbaut. Die Gloriette erstrahlt in dem für Bauten der Habsburger im Barrock errichteten typischen Farbton „Schönbrunner Gelb“. Die Fassade Schloss Schönbrunns wurde zwischen 1817 und 1819 vereinheitlicht, seither prangt der Gelbton namensgebend an der berühmten Schlossanlage. Die Habsburger nutzten die Gloriette vor allem als Fest- und Speisesaal. Für den Bau wurden unter anderem Säulen und Arkadenbögen des zwischenzeitlich geplanten, jedoch nie vollendeten Schloss Neugebäude in Wien-Simmering verwendet.
Fünf U-Bahn-Stationen vom Rapid-Stadion in Hütteldorf entfernt, bot die Gloriette für Martin Braun die Möglichkeit, „die Parklandschaft zu genießen und die Schönheit von Wien aufzunehmen.“ Der Blick vom Schönbrunner Berg reicht von der grünen Kuppel der Karlskirche (Blickrichtung rechts) über den Stephansdom, den 2014 eröffneten DC Tower, Donauturm, Kahlenberg und die Kuffner Sternwarte bis zur Kirche am Steinhof mit ihrer goldgrünen Kuppel.
Als Braun im Sommer 1997 nach Wien kam, war die Stadt für ihn keine Unbekannte. Bereits seit frühester Kindheit war ihm die österreichische Hauptstadt und der in ihr gebotene Fußball ein Begriff. „Ich bin als Kind im Schwarzwald aufgewachsen und da haben wir immer österreichischen Fußball im Fernsehen gesehen. Vor allem das Wiener Stadthallenturnier war für uns etwas Besonderes, denn das war zu einer Zeit, als Hallenfußball in Deutschland so noch gar nicht stattgefunden hat.“ Rapid Wien, der Verein, zu dem Braun 1997 vom 1. FC Köln wechselte, war daher für ihn kein unbeschriebenes Blatt, „ich hatte mich gefreut als das Angebot von Rapid kam“.
Das herausragendste Erlebnis für Braun während seiner zwei Spielzeiten bei Rapid waren die K.O.-Spiele gegen 1860 München im UEFA-Cup der Saison 1997/98. Rapid setzte sich damals mit einem Gesamtergebnis von 4:2 durch und schaffte so den Aufstieg in das Achtelfinale, wo für Braun und sein Team gegen Lazio Rom Endstation war. Für Braun waren die Spiele gegen 1860 „ein sehr spezielles Erlebnis“. Nach Siegen wie gegen 1860 ging es für die Rapid-Spieler zum Feiern ins Häfn, ein Lokal im 1. Bezirk, das vor rund zehn Jahren in Prison Lounge umbenannt wurde und wenige Jahre später geschlossen wurde.
Zwei Jahre spielte Braun für die Hütteldorfer und absolvierte dabei insgesamt 63 Liga- und sechs UEFA Cup-Partien. Danach ging es für ihn zurück nach Deutschland. „Im Nachhinein betrachtet, war das damals wohl meiner Ungeduld und dem Ehrgeiz geschuldet, unbedingt nochmal in Deutschland zu spielen. Ich hätte auch bei Rapid verlängern können, hatte ein gutes Standing in der Mannschaft und wusste das familiäre Verhältnis im Verein sehr zu schätzen. Dass ich damals bei Rapid nicht verlängert habe, war wohl der größte Fehler meiner Karriere.“ Braun wechselte zum Karlsruher SC, mit dem er in der Saison 1999/2000 aus der 2. Bundesliga abstieg. Nach drei weiteren Jahren beim VfR Aalen beendete er seine Profikarriere, um anschließend unter anderem für den SC Freiburg (2003-08) im Management tätig zu sein. Was er aus Wien, wohin sich der Kontakt zu Rapid bis heute gehalten hat, besonders vermisst? „Den Wiener Schmäh und den Kaiserschmarrn. Ich bin ein Freund der Süßspeisen und in dieser Hinsicht kann man sich schon sehr gut in Wien verköstigen.“

Die Gloriette ist täglich ab 6 Uhr (1.11.-31.3. 6:30 Uhr) im Park des Schlosses Schönbrunn kostenlos zugänglich. Im Inneren befindet sich ein Café (Bier 0,3: 3,90€, Apfelstrudel: 4,40 €), auf dem Dach eine Aussichtsterrasse (3 € pro Person). www.gloriette-cafe.at

Martin Braun (*1968 in Löffingen/D) wechselte 1990 zum SC Freiburg (108 Spiele, 19 Tore) und kam über den 1. FC Köln 1997 zu Rapid Wien. Für Rapid absolvierte der Mittelfeldspieler insgesamt 78 Spiele (2 Tore).

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

Kulinarik:

  • Brandauers Schlossbräu (www.bierig.at, Am Platz 5, 13. Bezirk, 20min): Wiener Küche, Bier 0,3l (Hausbier, Zwettler, Puntigamer): 2,90-3,00€, Schnitzel 9,50€

 

→ Wir machen uns auf den Weg von der Gloriette hinunter zum Schloss und gehen dieses Mal durch das Schloss hindurch bis zum Haupteingang an der Schönbrunner Schlossallee, durch den wir zuvor das Schlossareal betreten haben. Dann geht es geradeaus, am Taxistand vorbei bis zur Haltestelle Schloss Schönbrunn der Linie 58 (Fahrtrichtung Westbahnhof). Wir fahren bis zur Endstation und von dort nehmen wir die U-Bahnlinie U3 in Richtung Simmering bis zur Haltestelle Volkstheater. Auf der inneren Seite des Rings betreten wir den Volksgarten, der in den Heldenplatz mündet. Wegstrecke: 35 Min.

 

 

Station 3 (Oliver Freund): Heldenplatz, 1. Bezirk

Heldenplatz mit Eingang zur Nationalbibliothek und Prinz Eugen Reiterstandbild, ©bundesligainwien.at

Heldenplatz mit Eingang zur Nationalbibliothek und Prinz Eugen Reiterstandbild, ©bundesligainwien.at

An die ersten Monate in Wien kann sich Oliver Freund noch gut erinnern. „Wir haben damals im ersten Bezirk gewohnt und da waren wir ständig unterwegs um uns die Stadt anzuschauen. Das war schon toll.“ Als sich Freund mit seiner Frau einen Hund zugelegt hatte, brauchte es natürlich auch entsprechende Auslaufflächen, die im dicht verbauten Gebiet innerhalb der Innenstadt nicht gerade zahlreich vorhanden sind. Fündig wurden die beiden schließlich am Heldenplatz, einem der wohl geschichtsträchtigsten Plätze in Wien.
Die Ursprünge des Heldenplatzes reichen bis in die 1850er zurück. Die Heldendenkmäler für Erzherzog Karl und Prinz Eugen gaben dem Platz, der seinen Abschluss durch das 1824 errichtete Äußere Burgtor findet, seinen Namen. Und eigentlich hatten die Habsburger damals noch viel größeres vor. Denn gegenüber der Neuen Burg, auf dessen Balkon Adolf Hitler 1938 unter dem Jubel zehntausender Menschen den Anschluss Österreichs an Deutschland verkündete und in der sich heute unter anderem die Nationalbibliothek befindet, hätte ein baugleiches Pendant entstehen sollen, sodass der Heldenplatz von drei Seiten baulich umschlossen worden wäre. Doch kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs verschoben sich die Prioritäten des Kaiserhauses und das Projekt „Kaiserforum“ blieb unvollendet. Ein für die Bevölkerung Wiens historischer Glücksfall, denn die unbebaute Fläche dient heute als Parkanlage (Volksgarten).
Historisches leistete auch Oliver Freund für den SC Freiburg, denn sein erstes Bundesligator am 7. August 1993, um zirka 16:10 Uhr, war auch gleichzeitig das allererste Bundesligator der Freiburger. Zwar ging das Spiel im Münchener Olympiastadion letztlich mit 1:3 verloren, für Oliver Freund wird das Spiel dennoch immer „etwas Besonderes“ bleiben. Vier Jahre später wechselte der gebürtige Freiburger, der seine Profikarriere bei Werder Bremen begann, zu Rapid Wien. „Als ich gemeinsam mit meiner Frau zu den Verhandlungen nach Wien geflogen bin, hat uns die Tochter einer Mitarbeiterin der Rapid-Geschäftsstelle abgeholt. Dabei sind wir einmal quer durch die ganze wunderschöne Stadt gefahren. Danach habe ich meine Frau nicht mehr groß überreden müssen nach Wien zu ziehen“, erinnert sich Freund.
Seine Zeit bei Rapid empfindet Freund im Nachhinein als äußerst positiv, „es war sowohl für mich als auch für meine Frau eine traumhafte Zeit“. Insgesamt lief der Mittelfeldspieler 155 mal für Rapid aufs Feld und erzielte dabei zehn Tore. Dass Freund seine Karriere nicht auch bei den Hütteldorfern oder einem anderen österreichischen Club beendete, lag an jenem Herrn, der 2001 seine erste Station als Trainer bei Rapid antrat: Lothar Matthäus. Sportlich und fachlich könne er nichts schlechtes über Matthäus sagen, „das Training war richtig gut. Aber menschlich war es eine ganz große Enttäuschung. Wie der mit den Leuten umgegangen ist, das war teilweise unter aller Kanone“, so Freund, der unter Matthäus seine Position als Stammspieler verlor und schließlich 2001/02 nach Osnabrück wechselte.

Oliver Freund (*1970 in Freiburg/D) wechselte 1993 von Hannover 96 zum SC Freiburg (125 Spiele, 8 Tore) und kam von dort 1997 zu Rapid Wien. Der Innenverteidiger schoss für Rapid in 126 Spielen 6 Tore.

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Natur- und Kunsthistorisches Museum (www.nhm-wien.ac.at & www.khm.at, 5Min)
  • Hofburg (www.hofburg-wien.at, Michaelerkuppel/Heldenplatz, 10Min) mit Sisi Museum, Kaiserapartements, Nationalbibiliothek, Spanischer Hofreitschule, Weltmuseum)
  • Museumsquartier (www.mqw.at, Museumsplatz 1, 10Min) mit zahlreichen Museen und Cafés sowie saisonalem Freiluftangebot
  • Mariahilfer Straße (Österreichs längste Einkaufsmeile, seit 2013 teilweise Fußgängerzone, 5Min)
  • Parlamentsgebäude (www.parlament.gv.at, 5Min)

Kulinarik: 

  • Palmenhaus (Burggarten 1, 1. Bezirk, 5min): Wiener Küche, Bier 0,3l (Ottakringer, Schremser): 3,50€, Schnitzel 18,20€

→ Vom Heldenplatz gehen wir zum Ring, biegen links in die Prachtallee ein und gehen zu Fuß bis zur Staatsoper. Gegenüber der Staatsoper biegen wir in die Kärntner Straße stadtauswärts, wo im Girardipark der Beginn der „3. Mann Tour“ liegt (nur zwischen Mai und Oktober möglich). In den Wintermonaten kann anstelle dieser Station auch das Dritte Mann Museum oder ein Besuch im Burgkino an dieser Stelle der Tour eingeplant werden (siehe „Das gibt es hier außerdem zu sehen“ bei Station 5). Wegstrecke: 15 Min.

 

 

Station 4 (Joachim Löw): „Dritte Mann Tour“, Karlsplatz Girardipark, 1. Bezirk

Treffpunkt für die "3. Mann Tour" am Karlsplatz, ©bundesligainwien.at

Treffpunkt für die „3. Mann Tour“ am Karlsplatz,
©bundesligainwien.at

„Sie kennen ja alle den Film ‚Der Dritte Mann‘. Gestern haben wir Bekanntschaft mit dem vierten Mann gemacht“, sagte Bundestrainer Joachim Löw, Rekordtorschütze des SC Freiburg, nach dem EM-Gruppenspiel gegen Österreich im Juni 2008, in dem er noch vor der Halbzeitpause gemeinsam mit Österreichs Trainer Josef Hickersberger vom vierten Offiziellen auf die Tribüne verwiesen wurde.
Einige Jahre bevor Joachim Löw mit der deutschen Nationalmannschaft in Wien gastierte, schlug der Schwarzwälder seine Zelte bei Austria Wien auf. Im Juni 2003 trat Löw das schwere Erbe des nach nur einem Jahr zu Fenerbahce Istanbul abgewanderten Christoph Daum an. Dieser holte zuvor zum ersten Mal seit 1992 wieder das Double aus Meisterschaft und Pokal an den Verteilerkreis. Bereits im März des folgenden Jahres wurde Löw beurlaubt, obwohl die Austria zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer und somit auf dem besten Weg war, den Titel in der Meisterschaft zu verteidigen. Löw stolperte über einem Disput mit Austria Mäzen Frank Stronach sowie eine Niederlage beim Tabellenschlusslicht FC Kärnten. Am letzten Spieltag der Saison 2003/04 gewann die Austria unter Löws Nachfolger Günther Kronsteiner zwar gegen besagten FC Kärnten, Meister wurde aber der Grazer AK – mit einem Punkt Vorsprung auf Austria Wien. Der Rest ist bekannt: Im Juli 2004 heuerte Löw als Co-Trainer von Jürgen Klinsmann beim DFB an, dem er 2006 als Bundestrainer folgte.
In dieser Funktion fühlte sich Löw während des eingangs erwähnten Spiels der Euro 2008 im Wiener Ernst Happel Stadion in seiner Bewegungsfreiheit in der Coaching Zone durch den slowenischen vierten Offiziellen eingeschränkt und teilte ihm dies auch entsprechend mit. Damir Skomina wollte sich das jedoch nicht gefallen lassen, und schickte Löw kurzerhand auf die Tribüne. Hickersberger, der die Situation im Sinne Löws mit Skomina klären wollte, durfte Löw gleich dorthin begleiten. „Ich habe schon vor dieser Szene in mehreren Sprachen versucht, dem Slowenen zu sagen, dass ich konzentriert bleiben möchte und er nicht alles kommentiert, wenn ich ein paar Schritte nach vorne gehe. In der 40. Minute bin ich dann etwas deutlich geworden“, wurde Löw anschließend zitiert.
Dem sportlichen Erfolg der deutschen Mannschaft tat dies (sowie die anschließende Sperre Löws für das Viertelfinale gegen Portugal) keinen Abbruch. Wenig überzeugend zwar, aber doch, gewann Löws Team im Ernst Happel Stadion das Spiel gegen Österreich durch einen direkt verwandelten Freistoß von Michael Ballack mit 1:0. Erst Spanien konnte die deutsche Mannschaft im Finale der Europameisterschaft, ebenfalls im Happel Stadion, stoppen.
Der von Löw eingangs zitierte britische Thriller wurde im Herbst 1948 im Nachkriegswien gedreht. Die Dreharbeiten für „Der Dritte Mann“ dauerten sieben Wochen und gestalteten sich angesichts der immer noch stark zerstörten Stadt ziemlich schwierig. Orson Wells spielt im Film den Schmuggler Harry Lime, der in der von den vier Besatzungsmächten kontrollierten österreichischen Hauptstadt gestohlenes Penicillin schmuggelt und bei einem Verkehrsunfall angeblich ums Leben kommt. Joseph Cotten mimt seinen Freund, der nicht an den Tod Limes glaubt und sich auf die Suche nach ihm macht. Es beginnt ein Versteckspiel, in dessen Verlauf auch eine – Filmgeschichte schreibende – Verfolgungsjagd in der Wiener Kanalisation vorkommt. Berühmtheit erlangte auch die Filmmusik mit der legendären Zithermusik von Anton Karas. Die „Dritte Mann Tour“ führt in die Wiener Kanalisation zu Originalschauplätzen des Films.
Dem slowenischen vierten Offiziellen Damir Skomina, von Joachim Löw zum „vierten Mann“ geadelt, wurde indes noch keine eigene Tour gewidmet. Dafür trafen Löw und Skomina vier Jahre später erneut während einer Europameisterschaft aufeinander, als Löw mit seinem Team 2012 im Viertelfinale gegen Griechenland antrat. Dieses Mal war Skomina Schiedsrichter und dieses Mal durfte Löw die vollen neunzig Minuten direkt am Spielfeldrand verbringen.

Die „3. Mann Tour“ (www.drittemanntour.at, Karlsplatz/Girardipark, gegenüber vom Café Museum) kann zwischen Mai und Oktober jeweils Donnerstag bis Sonntag, 10-20 Uhr) gebucht werden. Eine Tour dauert ca. 45 Minuten. Eintritt: 7 Euro, Ermäßigung für Pensionisten, Studierende, Zivil- und Präsenzdiener sowie Gruppen.

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen (jeweils alles in unmittelbarer Umgebung):

Kulinarik:

  • Naschmarkt mit zahlreichen Lokalen, regionale und exotische Küche
  • Café Museum (www.cafemuseum.at, Operngasse 7, 1. Bezirk): Traditionelles Kaffeehaus, Bier 0,3l (Ottakringer) 3,90€, Schnitzel 19,50€

 

→ Wir überqueren den Karlsplatz in Richtung Karlskirche, wo wir nach ca. drei Minuten zur Haltestelle Karlsplatz gelangen, von wo wir mit der Straßenbahnlinie 1 in Richtung „Prater Hauptallee“ bis zur Endstation fahren. Von dort biegen wir links in die Prater Hauptallee ein. Gegenüber der Rustenschacherallee biegen wir rechts in den Karl-Kolarik-Weg ein. Auf der rechten Seite befindet sich das Schweizerhaus. Wegstrecke: 35 Min.

 

Station 5 (Michael Wagner): Schweizerhaus, Prater 116, 2. Bezirk

Eingang zum Schweizerhaus, ©bundesligainwien.at

Eingang zum Schweizerhaus, ©bundesligainwien.at

Für Michael Wagner, der während seiner Profikarriere für beide Wiener Großvereine aktiv war und in der Saison 1996/97 für den SC Freiburg spielte, macht die „spezielle Mischung“ aus Vergnügungspark und Erholungsgebiet den Reiz des Praters aus. „Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Auf der Hauptallee joggen und anschließend auf ein Bier ins Schweizerhaus, das ist schon sehr fein“, beschreibt Wagner die Vorzüge der weitläufigen Freizeitanlage.
Der Prater diente den Habsburgern ehemals als Jagdgebiet und war somit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Name leitet sich von einer ursprünglich weiter nördlich gelegenen Donauinsel ab, der Begriff wurde bald jedoch auch für die umliegenden Auen und somit für das heute als Prater bezeichnete Gelände verwendet.
Jenen Teil des früheren kaiserlichen Jagdgebietes, der heute als ganzjähriger Vergnügungspark zum Geisterbahn- und Autoscooterfahren einlädt, wird Wurstelprater genannt. Seinen Namen verdankt die Anlage dem „Hanswurst“, einer Volkstheaterfigur und den damit verbundenen „Wursteltheatern“, die sich im 18. Jahrhundert an dieser Stelle ansiedelten. Am Übergang zwischen Wurstelprater und „Grünem Prater“ liegt das Schweizerhaus, dessen Anfänge laut Firmenchronik in die Zeit der Aufklärung zurückreichen. Damals bewirteten Schweizer Jagdtreiber die Habsburger bei ihren Jagdausflügen. 1920 übernahm die Familie Kolarik den Betrieb und baute ihn zum Restaurant und Gastgarten in seiner heutigen Form aus. Das Schweizerhaus gehört zu den beliebtesten Sommer-Gastgärten in Wien, ein Besuch in der Institution gehört zu einem Wien-Aufenthalt genauso dazu, wie der Verzehr eines Wiener Schnitzels oder der Besuch von Schloss Schönbrunn. Ausgeschenkt wird bevorzugt Original Budweiser Bier (das tschechische, nicht das US-Amerikanische!). Spezialität des Hauses sind die Schweinsstelzen mit Senf und Kren sowie Krautsalat.
Seine Saison beim SC Freiburg hat Michael Wagner als „feine Zeit“ in Erinnerung behalten. „Die Deutsche Bundesliga war fest in meiner Karriereplanung verankert. Präsident Achim Stocker war in Wien und hat sich ein Match von uns angeschaut. Anschließend haben wir uns zusammengesetzt und von beiden Seiten war schnell klar, dass großes Interesse für einen Wechsel da war. Für mich war Freiburg sicher der perfekte Club zu dem Zeitpunkt“, so Wagner.
Als er in die Deutsche Bundesliga wechselte, galt Wagner als größtes österreichisches Talent seit Herbert Prohaska. Die Zeit beim SC verlief für den damals 21-jährigen jedoch alles andere als wunschgemäß. Wagner kam unter Volker Finke auf sechzehn Einsätze, der Kicker bedachte den offensiven Mittelfeldspieler mit einer Durchschnittsnote von 4,25. Am 22. Spieltag lief Wagner zum letzten Mal für den SC auf. Dann folgte ein Bandabriss, der Wagner bis zum Ende der Saison außer Gefecht setzte.
Der SC stieg am Saisonende mit elf Punkten Rückstand als 17. ab, trotzdem boten die Breisgauer Wagner einen neuen Vertrag an. Und auch der FC Bayern und der VfB Stuttgart wollten Wagner für die zweite Mannschaft beziehungsweise als „Spieler für die Zukunft“ verpflichten. „Doch ich hatte damals schon mit der Austria Europacup und mit Freiburg Bundesliga gespielt und wollte mich für das Nationalteam empfehlen. Da wollte ich nicht in der Zweiten Liga oder bei den Amateuren spielen“, resümiert Wagner im Nachhinein seine Entscheidung, nach Wien zurückzukehren.
Warum er ausgerechnet zu Rapid und somit zum Erzrivalen seines Heimatvereins Austria wechselte? „Ich wusste, dass Rapid ein großer Verein und somit für mich sportlich interessant war. Die Austria hatte sich nicht um mich bemüht und bei Rapid habe ich halt die Chance gesehen, mich nach meiner schweren Verletzung für das Nationalteam zeigen zu können.“
Natürlich war sich Wagner bewusst, dass bei den Fans der Wiener Austria ob seines Wechsels zum Erz-Rivalen keine Jubelstürme ausbrechen würden. „Als gebürtiger Wiener bin ich natürlich mit der Rivalität groß geworden. Doch ich sehe das so, wie 99 Prozent aller Wienerinnen und Wiener das sehen: Es ist eine Rivalität, die im Spaß zu Hause ist. Da ärgert man sich halt ein bisschen, je nachdem wer gerade das Derby gewonnen hat.“
Den Kontakt zu ehemaligen Mitspielern des SC Freiburg ließ Wagner nicht abreißen, Jörg Schmadtke, Dieter Frey, Andreas Zeyer und Uwe Spies kamen sogar zu Wagners Hochzeit in der Wiener Karlskirche. „Natürlich ist der Kontakt, auch aufgrund der Entfernung, jetzt nicht mehr so groß. Aber hin und wieder trifft man sich schon noch“, so Wagner.

Michael Wagner (*1975 in Wien/Ö) begann seine Karriere bei Austria Wien, von wo er 1996 zum SC Freiburg wechselte. Nach einer Saison (16 Spiele) kehrte der Mittelfeldspieler nach Wien zurück und spielte eine Saison lang bei Rapid (31 Spiele, 2 Tore). Anschließend wechselte Wagner, der zehn Partien für die Nationalmannschaft absolvierte, erneut zu Austria Wien (182 Spiele, 34 Tore). 2005 wurde Wagner vom damals neu installierten Austria-Sportdirektor Toni Polster mangels sportlicher Perspektive ein Wechsel nahegelegt. Der heute 39-jährige beendete seine Profikarriere 2006 in Mödling.

Das Schweizerhaus (www.schweizerhaus.at, Prater 116) ist zwischen 15. März und 31. Oktober täglich von 11 bis 23 Uhr geöffnet. Preisniveau: Schweinsstelze 16,90€, Bier (0,3) 3,10€. Neben dem Schweizerhaus gehört auch das Wurstelprater-Lokal Luftburg (ganzjährig geöffnet, 11 – 23 Uhr) zum Kolarik-Imperium. Öffentliche Erreichbarkeit: U1 und U2 Station Praterstern, von dort 15 Minuten zu Fuß durch den Wurstelprater oder entlang der Prater Hauptallee.
Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

 

Weitere Orte in Wien mit Bezug zum SC Freiburg:

  • Fischhofgasse 12, 10. Bezirk: Franz Horr Stadion, Joachim Löw trainierte hier zwischen Juni 2003 und März 2004 Austria Wien. Das Museum des FK Austria Wien hat Mo-Fr von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Esterhazygasse 9, 6. Bezirk: Das Restaurant Kaiserwalzer war ein beliebter Treffpunkt für Fußballspieler mit Freiburg-Vergangenheit. „Das war eine richtige Fußballerwirtschaft wie man sie sich vorstellt. Hier konnte man sehr gut essen und auch immer jemanden treffen“, erinnert sich Oliver Freund zurück, dem das Lokal von Michael Wagner empfohlen wurde. Das Lokal wurde vor einigen Jahren neu übernommen.
  • Universitätsring 4, 1. Bezirk: Im Café Landtmann schaute Oliver Freund mit seiner Frau gerne für „ein schönes Stück Torte“ vorbei.

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