Wien für Fans des FC Bayern

(Stand: September 2014)

 

„Ich mag die Wiener, und ich hoffe, sie mögen mich irgendwann auch mal.“
(Lothar Matthäus am 6. September 2001 im Rahmen seiner Antrittspressekonferenz als Trainer des SK Rapid im Hotel Marriott.)

 

 

München-Wien
Entfernung (Luftlinie): 355,39 Kilometer
Entfernung Allianz Arena – Ernst Happel Stadion (Auto): 427 Kilometer/Fahrtzeit: 4:43 Stunden
Anreise per Bahn: 3:59 Std (direkt)
Anreise per Flugzeug: 11x täglich direkt
Bayern-Fanclubs in Wien (4): 1. Döblinger Bayern Fanclub (www.ersterdoeblingerbayernfanclub.at), Die Wiener, Kaiser der Nation, Die Fußballfreunde
Befriedigung bayerischer kulinarischer Sehnsüchte in Wien: Hoofbräu (www.hoofbraeu.at, Mariahilfer Straße 47, 6. Bezirk): Hoofbräu Pils, Stiegl, Ottakringer & deftige Küche – Victus&Milli (www.victusundmili.at, Neustiftgasse 28, 7. Bezirk): Schlossbrauerei Stein/Chiemgau & Mix aus Bayrischer und Südtiroler Küche
Bevorzugte Wohnadressen für FCB-Fans, die nach Wien ziehen wollen: Bayerngasse (3. Bezirk, hier sollte in den 1910er Jahren eine Gesandtschaft des Freistaates erbaut werden), Hahngasse (9. Bezirk), Münchenstraße (12./13. Bezirk), Effenbergplatz (22. Bezirk), Strunzgasse (22. Bezirk), Basler Gasse (23. Bezirk)
„Bayern“ in Wien: Jan Einer Aas, Egon Coordes, Carsten Jancker, Peter Werner
„Wiener“ beim FC Bayern: David Alaba, Walter Fembeck, Willibald Hahn, Andreas Herzog, Richard Kohn, Heinrich Körner, Stefan Maierhofer, Adolf Patek, Peter Pumm, Gustl Starek
Leider Nein: Josef Hickersberger (1976 scheiterte in letzter Sekunde ein Wechsel von Offenbach zu den Bayern), Walter Schachner (hätte 1980 zum FCB wechseln sollen, stattdessen verpflichtete der FCB lieber Karl Del’Haye), Toni Polster (1987, Hoeneß: „Wenn Heynckes den Toni Polster will, dann kann er ihn haben, obwohl 2,5 Mio. Mark für einen Österreicher viel Geld sind.“), Stefan Effenberg (2002 fast vom FCB zu Austria Wien, Effe wechselte dann aber doch lieber nach Wolfsburg)

 

Für Fans des FC Bayern geht es auf 9 Stationen durch Wien: SV Aspern (1/Alaba) – Ernst-Happel-Stadion (2/EC-Finale 1987) – WAC (3/Kohn) – Simmeringer SC (4/Pumm) – Marriott Hotel (5/Matthäus) – Hernalser Friedhof (6/Hahn) – Wr. Sportklub (7/Patek) – Gerhard-Hanappi-Stadion (8/Starek)
Ausflugstipp: Kahlenberg (EC Pokalsieger 1967/Fembeck)
Gesamtdauer der Tour: 3:20 Stunden (ohne Verweildauer und Ausflugstipp)

 

 

Auf neun Stationen geht’s für Fans des FC Bayern durch Wien, ©rossorobot/wikimedia/bundesligainwien

Auf neun Stationen geht’s für Fans des FC Bayern durch Wien, ©rossorobot/wikimedia/bundesligainwien

„Der SK Rapid traf in den Bayern auf eine Mannschaft, die ihm mit seiner eigener schärfsten Waffe begegnete, dem flotten, aber auch unbedenklich zugreifenden Spiele“, schrieb die Allgemeine Sport-Zeitung im Juli 1919. Das 3:3 dürfte eines der ersten Spiele des FC Bayern (bzw. seiner Vorgängervereine) in Wien gewesen sein. Bis 2005 folgten viele weitere Pflicht- und Freundschaftsspiele gegen Wiener Klubs. Und auch wenn die ganz großen Duelle auf Europacup-Ebene sowie die Erfolge Wiener Trainer mit dem FC Bayern schon lange zurückliegen, gibt es dank David Alaba einen überaus aktuellen Anknüpfungspunkt zwischen dem FCB und der österreichischen Hauptstadt.

 
Wir beginnen die Wien-Tour im 22. Bezirk, der fußballerischen Heimat David Alabas. Anfahrt via U1 oder U2 sowie Straßenbahn 25 (bis Aspern Oberdorfstraße).

 

 

 

Station 1 (David Alaba): SV Aspern, Biberhaufenweg 18 (22. Bezirk)

Beim SV Aspern lernte David Alaba das Kicken. ©bundesligainwien.at

Beim SV Aspern lernte David Alaba das Kicken. ©bundesligainwien.at

„Ich bin a echter Wiener“, antwortete David Alaba, als er 2010 von deutschen Zeitungen gefragt wurde, ob er sich auch hätte vorstellen können für die nigerianische (Heimatland des Vaters) oder die philippinische (Mutter) Nationalmannschaft aufzulaufen.
Alaba kam im Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien-Favoriten, dem Heimatbezirk von Austria Wien, auf die Welt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er aber im 22. Bezirk, also nördlich der Donau. Der Focus schrieb später über seine Heimat: „David Alaba spielte sich aus dem tristen 22. Wiener Bezirk in die Fußball-Elite-Europas. In Beton gegossene Wohnwürfel mit Blechdach prägen das Viertel Donaustadt.“ Das mag vielleicht für die ein oder andere Ecke im 22. Bezirk stimmen, doch wer die Gegend um die Anlage des Fußballvereins SV Aspern und die angrenzende Lobau kennt, der wird mit der Beschreibung des deutschen Magazins nicht viel anfangen können.
Schon als kleiner Bub („Der Ball war mein Lieblingsspielzeug“) soll Alaba beim Kicken im Hinterhof und im Käfig seine Mitspieler kräftig herumdirigiert und Verantwortung übernommen haben. Neben seinem Ballgefühl fiel der kleine David auch durch seine Kondition auf. „Ich bin damals regelmäßig laufen gegangen. David wollte immer mitlaufen. Ich war selber erstaunt, wie lange er laufen konnte, ohne müde zu werden“, erinnerte sich sein Vater später.
Zum SV Aspern kam Alaba als 8-Jähriger, bei dem Vorstadtklub wurde er von Emanuel Dahner trainiert. „An einem Winterabend standen David und sein Vater plötzlich am Platz und fragten höflich bezüglich eines Probetrainings an. David hat wie eine Raubkatze den Ball erobert, war unglaublich schnell. Man hat gleich gesehen, dass das ein besonderes Talent ist“, erinnerte sich Dahner später an die erste Begegnung. Dahners erster Weg nach dem Kennenlernen führte ihn zu Asperns Jugendleiter Gerhard Frey. „Emanuel kam ganz aufgeregt zu mir und bat mich, diesen Spieler so schnell wie möglich anzumelden“, so Frey später in der Kronenzeitung.
Gleich in seiner ersten Saison für Aspern erzielte Alaba neunzig Tore, das außergewöhnliche Talent des Buben ließ sich nicht verheimlichen. Um Alaba den nächsten Schritt zu ermöglichen, stellte Dahner den Kontakt zu Austria Wien her, die ihn schließlich auch verpflichtete. „Ich habe geweint, weil ich wusste, dass so einer nie wieder kommen wird“, erinnerte sich Dahner später. „Ich habe zwar immer gewusst, dass es David wirklich schaffen kann, aber wenn es eben wirklich passiert, dann glaubst du, du träumst“, so Dahner im April 2012 in der Presse.
Alaba, dessen Vater 1999 als Teil des Duos Two in One mit dem Indian Song einen Charterfolg landete, besuchte in Wien die Schulen in der Polgargasse sowie in der Wittelsbachstraße. Beide Bildungseinrichtungen kooperieren mit Austria Wien. Aber schon früher hatte Alaba Junior die Leidenschaft für die Violetten aus Wien-Favoriten von seinem Vater übernommen. „Die Austria war schon immer der Verein meines Herzens“, erklärt David in der ihm gewidmeten „Gold-Edition“ des Sportmagazins. Bei der Austria spielte Alaba schnell in älteren Jahrgängen mit und übernahm auch dort die Rolle eines Führungsspielers. „Das ist bei den Buben nicht so häufig, dass sie wirklich miteinander im Spiel kommunizieren. Der David hat das von Anfang an gemacht“, erinnerte sich Austrias Nachwuchsleiter Ralph Muhr 2012 im Falter. „Er hatte dieses Feuer, ständig spielen zu wollen und war sich für keine Position zu schade“, lobt auch Herbert Gager, damals Nachwuchsbetreuer bei der Austria, den Ehrgeiz Alabas.
Bei der Austria debütierte Alaba als 15-Jähriger im Januar 2008 bei den Profis. In einem Testspiel gegen den heutigen Zweitligisten FAC wurde er für Rubin Okotie (derzeit 1860 München) eingewechselt. Im Wintertrainingslager der Austria kam er im spanischen Marbella auf drei weitere Testspiel-Kurzeinsätze. Es folgten im Frühjahr ein weiterer Testspieleinsatz für die Profis sowie fünf Spiele für die Amateure der Austria in der 2. Liga. Das große Talent David Alabas sprach sich alsbald im Rekordtempo in ganz Europa herum, Top-Klubs aus allen Himmelsrichtungen bemühten sich im Sommer 2008 um den jungen Alaba, der bis dato noch kein einziges Pflichtspiel in Österreichs höchster Liga absolviert hatte. Beim FC Chelsea lief Alaba unter dem Codewort „The big Fish“.
David Alaba entschloss sich 2008 für den FC Bayern. „Eigentlich will ich in die Premier League“, vertraute der 17-jährige 2009 dem Kurier an. Sein Vorbild war damals Cesc Fabregas von Arsenal London. Bayern München sei ihm in früheren Zeiten nicht wirklich sympathisch gewesen, obwohl Alaba schon als 6-Jähriger mit einem Mehmet Scholl-Trikot durch Wien lief. „Die sind immer im feinsten Gewand und mit dem schönsten Bus zu den Nachwuchsturnieren gekommen und haben sich feiern lassen.“ Doch einmal beim FCB gelandet, gewöhnte sich Alaba schnell ein, wohnte im Jugendheim des FC Bayern („mit einem guaten Frühstück“) und trainierte unter Mehmet Scholl. Sein Bayern-Bild wandelte sich grundlegend. „Sie sind wie eine Familie für mich geworden“, erklärte Alaba.
Im Herbst 2009 wurden die österreichischen Medien zum ersten Mal in größerem Maße auf ihn aufmerksam. Sein Marktwert betrug zu diesem Zeitpunkt 200.000 Euro und Alaba stand vor seiner ersten Einberufung in die österreichische Nationalmannschaft (1:3 gegen Frankreich am 14. Oktober 2009). Alaba sei „ein Rohdiamant, ein Juwel, ein Segen für den österreichischen Fußball. Ein wunderbarer Linksfuß mit tollen Bewegungen. Und mit 17 schon sehr reif“, adelte ihn Österreichs damaliger U21-Trainer Andreas Herzog (1995-96 Spieler beim FC Bayern).
Nachdem Alaba bei den Bayern regelmäßig in der U19 und bei den Amateuren zum Einsatz kam, absolvierte er am 18. August 2009 unter Trainer Louis van Gaal sein erstes Testspiel mit den Profis (10:0 im Testspiel gegen GW Görlitz). Die weiteren Meilensteine: Erstes Pflichtspiel mit den Profis im Februar 2010 (6:2 im Pokal gegen Greuther Fürth), erstes Bundesliga-Spiel (1:1 gegen den 1. FC Köln) und erster Champions-League Einsatz (2:3 gegen den AC Florenz) im März 2010, Gewinn der ersten Meisterschaft 2010, Gewinn der Champions League 2013. „Deutscher Meister und Pokalsieger war er schon, bevor er in München seine ersten Fahrstunden absolvierte“, schrieb der Kurier im Jahr 2011.
Beim FC Bayern bestätigte Alaba die großen Hoffnungen, die in Wien in ihn gesetzt wurden. „Er kombinierte mit. Fehlpässe hat der Linksfuß anscheinend nicht im Repertoire. An der Seite von Kapitän Mark van Bommel federte Alaba durchs Mittelfeld, reichte den Ball von Fuß zu Fuß gekonnt weiter. Nicht volljährig und nicht klein zu kriegen. Auch im Zweikampf behauptete sich das Bürschchen. Alaba kam für Anatolij Timoschtschuk, den 11-Millionen-Euro-Neuzugang. Und stach ihn aus“, schrieb die Abendzeitung im Februar 2010 nach seinem Debüt bei den Profis.
Im Januar 2011 verlieh der FC Bayern Alaba für ein halbes Jahr zur TSG Hoffenheim. Was für Außenstehende wie ein Rückschritt wirkte, nutzte Alaba als wichtigen Karriere-Zwischenschritt. Der 19-Jährige entwickelte sich in Hoffenheim auf Anhieb zum Stammspieler, nach seiner Rückkehr zum FC Bayern wurde er in der Folge ein unverzichtbarer Teil im Team von Jupp Heynckes.
An seine Zeit bei Austria Wien denkt er immer noch gern zurück und schaut bei seinen Wien-Besuchen auch immer mal auf dem Gelände des Nachwuchszentrums der Austria an der Laaer-Berg-Straße vorbei. Und auch den SV Aspern hat er nicht vergessen. Bei einem seiner Besuche brachte er ein signiertes Trikot des FC Bayern vorbei. „Man soll nie vergessen, wo man herkommt“, betont David Alaba, der als 23-Jähriger noch lange nicht auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen sein dürfte.

 

David Alaba (*1992 Wien) begann beim SV Aspern mit dem Vereinsfußball, ein Jahr später wechselte er zu Austria Wien. Mit 14 spielte er bereits in der U17-Nationalmannschaft, 2007 debütierte er als 15-Jähriger bei der U19. Nach seinem Profi-Debüt im Februar 2010 wurde Alaba zum jüngsten Spieler, der beim FC Bayern je in einem Pflichtspiel eingesetzt wurde. In 17 Länderspielen erzielte Alaba bisher sechs Tore.

Der SV Aspern wurde 1919 gegründet und spielt derzeit in der Oberliga B (6. Leistungsstufe). Web: www.svaspern.at

Passend dazu auf Youtube gefunden: Adidas Hometowns „David Alaba in Vienna“ / David Alaba gratuliert Austria Wien zum Meistertitel 2013 / David Alaba schießt das entscheidende 1:0 in der WM-Qualifikation gegen Irland / Lahm und Heynckes über David Alaba / David Alaba wird Österreichs Sportler des Jahres 2013 / Indian Song von Two in One

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Natur- und Erholungsgebiet Lobau (Web)

 

→ Weiter geht’s mit dem 98A oder dem 93A (jeweils Richtung Aspernstraße) zur U2. Mit der violetten Linie fahren wir (Fahrtrichtung Karlsplatz) bis zur Haltestelle Stadion. Wegzeit: 25 Minuten

 

 
Station 2 (Europapokalfinale 1987 vs. FC Porto): Ernst-Happel-Stadion, Meiereistraße 7 (2. Bezirk)

Das Ernst-Happel-Stadion, Schauplatz des 87er-Finalspiels. ©bundesligainwien.at

Das Ernst-Happel-Stadion, Schauplatz des 87er-Finalspiels. ©bundesligainwien.at

„So leicht war`s für Bayern nie, den Europa-Cup zu gewinnen.“ Ziemlich siegessicher zeigte sich Bundestrainer Franz Beckenbauer im Vorfeld des Wiener Finalspiels um den Europapokal der Landesmeister im Mai 1987. Und auch beim FC Bayern hatte man bereits eine Siegesfeier für 12 Uhr des nächsten Tages am Münchner Marienplatz organisiert. Doch zuerst musste noch gespielt werden und was die Sache nicht leichter machte: Der FC Porto war in dieser Saison alles andere als ein Jausengegner.
Für die Bayern war es im laufenden Bewerb bereits der zweite Auftritt in Wien. Denn bereits im Achtelfinale war der FC Bayern zu Gast im Ernst-Happel-Stadion, der Gegner hieß am 5. November 1986 Austria Wien. Das Hinspiel gewannen die Münchner zwei Wochen zuvor mit 2:0 (Tore: Flick, Matthäus per Elfmeter). Trainer Udo Lattek versuchte es für das Rückspiel in Wien mit einer Defensivtaktik, die Klaus Augenthaler wie folgt auf den Punkt brachte: „Wir müssen wenig machen, die anderen alles. Wenn sie ungestüm kommen, sind wir da.“ Nun, richtig ungestüm lief die Austria nicht an und am Ende trennten sich beide Teams 1:1 (Tor: Wohlfarth, den Gegentreffer erzielte der junge Toni Polster). Anderlecht (Gesamtergebnis 7:2) und Real Madrid (4:2) hießen die weiteren Stationen des FC Bayern, bis sie sich am 27. Mai erneut im damals noch Praterstadion genannten Oval für das Finale einfinden durften.
Der Gegner aus Porto setzte sich im Halbfinale knapp gegen Dynamo Kiew durch und laut Kurier war der FC Porto gegenüber dem FC Bayern zumindest bei einigen Kennzahlen im Vorteil: Im Vergleich zu den 11.000 Mitgliedern des FC Bayern verfügte der FC Porto schon damals über mehr als 60.000 Mitglieder. Und auch das Duell um die Finalprämien entschied Porto mit 50.000 DM (25.000 Euro) zu 15.000 DM (7.500 Euro) klar für sich. Um diese zahlenmäßige Unterlegenheit auszugleichen, erbat sich der FC Bayern Hilfe einer höheren Instanz: Eine extra vom Verein engagierte Wahrsagerin sagte einen Sieg des FC Bayern voraus. „Der FC Porto erzielt ein Tor, aber Europapokalsieger wird Bayern“, zitierte das Klubmagazin eine Madame Indira, die zuvor angeblich auch die Katastrophe von Tschernobyl und die Explosion des Spaceshuttles Challenger vorausgesagt hatte.
Im Vorfeld des Spiels versuchten die Bayern mit einer Charme-Offensive das Wiener Publikum auf ihre Seite zu bringen. „Ich liebe die Wiener“, erklärte Torwart Jean-Marie Pfaff. Und Lothar Matthäus hoffte öffentlich, dass die Wiener das Ausscheiden der Austria gegen die Bayern im Herbst bereits verdaut hätten und schob noch schnell ein „Das Wiener Stadion ist wunderbar“ hinterher. Der Klub kam bereits zwei Tage vor dem Finale am Schwechater Flughafen an und bezog sein Quartier im Hotel Marriott am Parkring. Trainiert wurde im Horr-Stadion, der Heimat des Achtelfinalgegners Austria Wien.
Die Bayern mussten im Finale auf Kapitän Klaus Augenthaler verzichten, der im Halbfinale in Madrid die Nerven verlor, Hugo Sanchez mit einem Tritt bedachte und mit Rot vom Platz flog. Angeschlagen waren zudem Lothar Matthäus (Rippenbruch) und Torjäger Franz Wohlfarth (Muskelfaserriss), der bereits vier Tore im laufenden Wettbewerb schoss. Letzterer musste dann tatsächlich passen, während Matthäus auflaufen konnte. Udo Lattek verzichtete zudem auf den formschwachen Andreas Brehme, an seiner Stelle kam Hansi Pflügler zum Einsatz.
Udo Latteck erwartete eine harte Nuss und einen extrem defensiv eingestellten Finalgegner. „Die stehen zu neunt in der Abwehr und warten auf ein, zwei Konter pro Spiel“, prognostizierte Lattek im Bayrischen Rundfunk. Der Meistertrainer hoffte daher auf ein frühes Tor seines Teams, „dann müssen sie aufmachen“. Mit Futre machte Lattek beim FC Porto lediglich einen offensiven Spieler aus, alle anderen seien reine Defensivakteure. Dabei hatte Porto zuvor bereits die spielstarken Teams aus Barcelona und Kiew ausgekontert und aus dem Bewerb geworfen. „Das gleiche könnte uns auch passieren, denn ich bin nicht bereit, meiner Mannschaft das Fußballspielen zugunsten eines taktischen Hickhack zu verbieten“, so Lattek trotzig.
30.000 Fans des FC Bayern belagerten während des Finales die österreichische Hauptstadt, außer ein paar fliegenden Sesseln blieb die Lage ruhig. Stattdessen waren „Verbrüderungsszenen zwischen Bayern und Portugiesen zu beobachten“. All jenen Bayern-Fans, die keine Karten mehr bekamen, riet Max Merkel via Bild-Zeitung: „Nehmen Sie die Liliputbahn durch den Prater, dort gibt’s Schwarzhändler wie Sand am Meer und je später Sie mit dieser Bahn fahren, desto billiger werden die Preise.“
Für das Finale holte der Bayern-Zeugwart extra die blauen Hosen und gelben Trikots hervor, die den Bayern schon in Kaiserslautern und Hamburg Glück brachten. Die Trikotwerbung war extra entfernt worden, in Finalspielen untersagte die UEFA damals noch die Präsentation von Sponsorennamen. Für den FC Bayern lief das Spiel in der ersten Halbzeit ganz nach Wunsch. Ludwig Kögl erzielte in der 25. Minute den erhofften frühen Treffer für die Münchner, doch danach setzte Latteks Team, dass sich drei Wochen später mit großem Vorsprung erneut die Meisterschale sichern sollte, zu sehr auf Sicherheit. „Immer mehr wurde Bayerns Fußball zur Schablone, als die Portugiesen nach großen 20 Minuten zu Beginn in der zweiten Hälfte mit zwei neuen Offensivkräften anrannten“, schilderte die Arbeiter-Zeitung den Wendepunkt des Spiels. Die Münchner Spieler seien fortan „brave Soldaten“ gewesen. Die Zeitung konstatierte aufgrund des Fehlens einer starken Spielerpersönlichkeit eine „kaiserlose, schreckliche Zeit“.
So nahm das Schicksal mit einem Doppelschlag seinen Lauf. In der 78. Minute erzielte Madjer den Ausgleich zum 1:1, zwei Minuten später erzielte der kurz zuvor eingewechselte Juary das 2:1. Die Bayern waren völlig perplex und konnten nicht mehr reagieren. In der Halbzeit hätten die Bayern „den Mut in der Kabine gelassen“, diagnostizierte Lattek nach dem Spiel. Zudem sei vor dem zweiten Tor der Portugiesen der neben dem Spielfeld verletzt liegende Madjer regelwidrig wieder aufs Feld zurückgekehrt, beschwerte sich der Coach des FC Bayern.
Für Lattek sollte es „die bitterste Niederlage meiner Laufbahn werden.“ Die Nürnberger Nachrichten haben Jahre später einen Schuldigen für die Niederlage ausgemacht: „Der Schlechteste von allen war in Wien ein Häuflein Elend: Lothar Matthäus hatte vollkommen versagt und sich den Zorn aller Mitspieler zugezogen.“ „Wie in allen wichtigen Spielen hat er enttäuscht“, urteilte auch der zuvor so siegesgewisse Franz Beckenbauer. Udo Lattek hatte unmittelbar nach dem Spiel nur für einen Lob über: „Unser kleinster Mann war diesmal unser Größter. Wenn alle anderen auch so gespielt hätten, wären wir als Sieger vom Platz gegangen.“ Gemeint war Wiggerl Kögl.

Die Aufstellung des FC Bayern am 27. Mai 1987: Pfaff – Winklhofer, Nachtweih, Eder, Pflügler – Flick, Matthäus, Brehme, Rummenigge – D. Hoeneß, Kögl

Das Ernst-Happel-Stadion wurde 1931 als Praterstadion eröffnet und nach dem Tod Ernst Happels 1992 umbenannt. Hier fanden die Europapokalfinalspiele 1964, 87, 90 und 95 (Landesmeister/CL) sowie 70 (Pokalsieger) und 94 (UEFA-Cup/Austria Salzburg) statt. 2008 verlor Deutschland hier das EM-Finale gegen Spanien. Heute fast die Arena 50.000 Zuuschauer. Aufgrund des mittlerweile veralteten Zustands sind auf absehbare Zeit keine weiteren Finalspiele eines europäischen Wettbewerbs in Wien zu erwarten. Auch um die Ausrichtung der EM 2020 hat sich Wien nicht beworben.

Passend dazu auf Youtube gefunden: Ausgleich des FC Porto / Spielzusammenfassung (portugiesisch)

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Prater mit Parkanlagen und Fahrgeschäften sowie Restaurants (z.B. das Schweizerhaus, www.schweizerhaus.at)
  • SC Hakoah Leopold Böhm Museum zur Geschichte des jüdischen Sportvereins SC Hakoah, der zu seiner Zeit der weltgrößte Allround Sportverein war und 1938 von den Nationalsozialisten verboten wurde (Simon-Wiesenthal-Gasse 3, Öffnungszeiten Mo-Fr 8 – 22:30 Uhr, Sa/So/Feiertag 9 bis 21 Uhr, Eintritt kostenlos, 15 Min, www.hakoah.at).

 

→ Weiter geht’s zu Fuß durch den Prater. Via Meiereistraße gelangen wir zur Prater Hauptallee, in die wir rechts einbiegen. Anschließend geht’s bei der Straßenbahnhaltestelle der Linie 1 links in die Rotundenallee, die wir bis zur Rustenschacherallee entlanggehen. Rechts befindet sich die Anlage des Wiener Athletiksport Club, bei dem der erste Meistertrainer des FC Bayern, Richard Kohn, seine aktive Karriere begann. Wegzeit: 25 Minuten

Station 3 (Richard „Little Dombi“ Kohn): Wiener Atheltiksport Club (WAC), Rustenschacherallee 9 (2. Bezirk)

Überwucherte Tribünen am WAC-Platz. ©bundesligainwien.at

Überwucherte Tribünen am WAC-Platz. ©bundesligainwien.at

Richard Kohn, damals wohnhaft in der nahegelegenen Valeriestraße 48 (heute Böcklinstraße), begann seine Fußballkarriere in der Jugend des Wiener Athletiksport Club im Wiener Prater. „Großartiges Material wies unsere Jungmannschaft auf, aus der wir unseren ganzen Nachwuchs holten, so Kohn und andere“, hielt eine Vereinschronik anlässlich des 25-jährigen Bestehens des WAC im Jahr 1921 fest. Als Kohn 1907 in die 1. Mannschaft des WAC aufgenommen wurde, befand sich der Verein auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung. Der WAC war das mit Abstand beste Team der Hauptstadt der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und maß sich regelmäßig mit Spitzenteams aus ganz Europa. So wurde 1909 nicht nur der regierende ungarische Meister mit 3:2 besiegt, auch der englische Champion Sunderland wurde vom WAC gebogen. „Wie die Mannschaft an jenem denkwürdigen 20. Mai 1909 spielte und wie sie nach härtestem Kampfe 2:1 siegte, das wird für die schwarz-rote Mannschaft immer ein Ruhmesblatt bleiben, welche mit dieser sportlichen Großtat ihren Ruf als kontinental erstklassige Mannschaft festigte“, beschrieb die WAC-Vereinschronik des Jahres 1909 den Triumph über die Briten.
Dass die Chronisten des WAC in ihrer Euphorie nicht übertrieben, zeigt der entsprechende Spielbericht in Die neue Zeitung vom 21. Mai 1909: „So glänzend wie gestern sahen wir die Athletiker noch nie, ihr Spiel stand dem ihrer englischen Kollegen, die Professionals sind und zu den besten Mannschaften Englands gehören, um nichts nach.“ Dem Bericht lässt sich auch über hundert Jahre später noch entnehmen, wer den entscheidenden Treffer zum 2:1 für den WAC erzielte: „Der Jubel der Wiener kannte keine Grenzen mehr, als Little nach Halftime das siegbringende Goal erzielt.“ „Little“ war der Spitzname Richard Kohns, den er aufgrund seiner schmächtigen Figur schon in seinen Anfangsjahren als Spieler verpasst bekam.
Unterbrochen wurde Kohns steiler Aufstieg im Herbst 1909 durch seinen in der K.u.K.-Armee abzuleistenden Militärdienst. „Die Eingerückten bestritten zwar die Mehrzahl aller Spiele, sie konnten jedoch ihre große Form vom Frühjahre nicht erreichen.“ Im Herbst 1910 trat Kohn nach Streitigkeiten mit der Vereinsleitung gemeinsam mit fast allen Spielern der ersten Mannschaft aus dem WAC aus. Kohn und seine Mitspieler forderten zuvor mehr Mitsprache im Verein. Als ihnen dieser Wunsch verwehrt wurde, gründeten sie den Wiener Association FC. Der WAF zählte fortan – mit Kohn im Sturm – zu den stärksten Vereinen in Wien (und somit Österreich).
Es folgten eine Reihe weiterer Stationen in Kohns Spielerkarriere, die allermeisten von ihnen sind aufgrund fehlender Nachweise heute nicht mehr genau darstellbar. Gesichert ist hingegen, dass Kohn zwischen 1908 und 1912 sechs Länderspiele absolvierte. Sein Debüt feierte er am 3. Mai 1908 in einem Freundschaftsspiel gegen Ungarn. Das Match endete 4:0, Kohn steuerte ein Tor bei. Im Mai 1910 stand Kohn erneut gegen Ungarn im österreichischen Aufgebot, drei weitere Spiele folgten im 1911/12 (darunter ein 2:1-Erfolg in Dresden gegen Deutschland). Da sich der WAF weigerte, seine Spieler für die Olympischen Spiele 1912 in Stockholm abzustellen, verpasste Kohn das Turnier. Erst im Dezember 1912 wurde Kohn wieder berücksichtigt, beim 3:1 in Genua gegen Italien erzielte er dabei auch sein zweites Länderspieltor.
Wahrscheinlich im März des Jahres 1912 hatte Richard Kohn zum ersten Mal mit dem FC Bayern zu tun. Mit dem WAF traf der mittlerweile 24-Jährige auf dem damaligen WAF-Platz in Hütteldorf auf den FC Bayern. In der 26. Minute erzielte „Little“ das Tor zum 1:1. Nachdem der FC Bayern per Elfmeter zwischenzeitlich mit 2:1 in Führung gegangen war, gewann der WAF schließlich doch noch mit 3:2. „Ein schönes hochinteressantes Spiel, in dem die Münchner glänzende Leistungen boten“, schrieb die Reichspost am Tag danach. Und das Neue Wiener Tagblatt wusste über das Tor Richard Kohns zu berichten: „… bis endlich Little – mit Andres der einzige ruhige Mann im WAF-Sturm – auf eigene Faust bis ans gegnerische Goal vorgeht und aus guten Gründen das Leder selbst so lange behält, bis er mit scharfem Schuss zwischen den Pfosten platzieren kann.“
Während seiner Zeit bei MTK Budapest spielte Kohn unter Trainer Jimmy Hogan. „Erfolgstrainer Jimmy Hogan beeinflusste wohl am intensivsten das Fußballverständnis des zukünftigen Trainers Richard Dombi“, schreibt Andreas Wittner in seinem Beitrag über Richard Kohn in Strategen des Spiels (Werkstatt). Das Ergebnis laut Wittner: Ein erfolgreicher Mix aus englischem Kick and Rush und der technisch filigranen österreichisch-ungarischen Spielart. Fortan „praktizierte Dombi ein sehr modernes Training, bei dem er die Ballkontrolle auf engstem Raum und unter höchstem Druck üben ließ.“ (FC Bayern – Unser Verein, unsere Geschichte, Werkstatt). In Ungarn erhielt er den zweiten Teil seines Namens, unter dem er künftig auftreten sollte: Dombi (ungarisch für „Eminenz“). „Die wörtliche Übersetzung von Dombi, „kleine Eminenz“, lässt nur erahnen, welch hohen Stellenwert man damals schon in der ungarischen Metropole dem Spieler Richard Dombi und seiner Fußballkompetenz beimaß“, schreibt Wittner.
Nach mehreren Trainerstationen (darunter Mitte der 1920er Jahre beim FC Barcelona) kam Richard Kohn im Sommer 1930 zum FC Bayern. In seiner ersten Saison wurde Kohn mit seinem Team in der Süddeutschen Meisterschaft Dritter. Eine Saison später qualifizierte er sich mit dem FC Bayern für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Für die Münchner war es 1932 die bereits vierte Endrunden-Teilnahme.
Zuvor entschieden die Münchner die süddeutsche Meisterschaft mit einem Punkt Vorsprung auf Nürnberg für sich. In der folgenden Endrunde schaltete Kohns Team zuerst Minerva 1893 Berlin mit 4:2 aus, im Viertelfinale gewann der FC Bayern in Leipzig 3:2 gegen den Polizeisportverein Chemnitz. Nach einem 2:0-Sieg im Halbfinale gegen den 1. FC Nürnberg stand der FC Bayern mit Kohn am 12. Juni 1932 im Finale um die deutsche Meisterschaft gegen Eintracht Frankfurt. Vor 55.000 Zuschauern gewannen die Münchner auch dieses Spiel (2:0, Tore: Oskar Rohr und Franz Krumm) und sicherten sich dadurch zum ersten Mal die deutsche Meisterschaft. Achtzig Jahre später erinnerten die Fans des FC Bayern in einer eindrucksvollen Choreographie an diesen ersten Titel, an dem der Wiener Trainer Richard Kohn maßgeblichen Anteil hatte. Dass Kohn viel mehr als nur Trainer beim FC Bayern war, verdeutlicht eine Episode von der anschließenden Meisterschaftsfeier in Nürnberg. „Um 4 Uhr früh mussten leider die beruflich ohne Urlaub gebliebenen den Zug nach München nehmen, um morgens um 8 Uhr pünktlich im Büro oder an der Arbeit zu sein (…). Dombi hatte seine liebe Mühe, sie alle noch rechtzeitig zum Zug zu bringen“, zitiert Andreas Wittner aus einer Vereinschronik.
In der Saison 1932/33 kam der frischgebackene deutsche Meister nicht über den vierten Platz in der süddeutschen Meisterschaft hinaus. Doch die sportliche Entwicklung war für den österreichischen Juden Richard Kohn im Jahr 1933 zur Nebensache geworden. Der 45-Jährige verließ den FC Bayern und entzog sich dadurch dem drohenden Zugriff der Nationalsozialisten.

 

Richard Kohn (*1888-1963) spielte in Wien unter anderem beim WAC, dem WAF sowie den Amateuren. Bei der Vienna arbeitete er als Trainer. Nach seinem erzwungenen Abschied aus München ging Kohn über Basel 1935 zu Feyenoord Rotterdam und bekleidete dort bis 1956 insgesamt dreimal den Trainerposten. 1936 und 1938 holte er mit den Niederländern den nationalen Meistertitel – 31 Jahre bevor mit Ernst Happel ein weiterer Trainer aus Wien Sportgeschichte mit Feyenoord schreiben sollte. Kohn starb 1963 in Rotterdam.

Der WAC bezog nach seiner Gründung im Jahr 1897 den zuvor als „Viehweide“ bekannten Platz an der Rustenschacher Allee. Der WAC-Platz war nicht nur lange Jahre das größte Stadion Österreichs, sondern auch Schauplatz des ersten österreichischen Länderspiels (5:0 gegen Ungarn, 1902) sowie des ersten Wiener Derbys zwischen Rapid und Austria (4:1, 1911). Die Fußballsektion des WAC fusionierte in den 1970ern mit Austria Wien, heute gibt es keine eigenständige WAC-Fußballabteilung mehr. Aus der Zeit der Fusion stammt die bis heute stattfindende wöchentliche Kartenrunde ehemaliger Austria-Spieler und -Funktionäre (darunter auch Gustl Starek), die auf dem Gelände des WAC zusammentritt. Der in seinen Umrissen immer noch erkennbare WAC-Platz wird heute hauptsächlich von Kindern und Jugendlichen zum Training benutzt. Web: www.wac.at

Dazu passend auf Youtube gefunden: Filmaufnahmen vom Finale um die Deutsche Meisterschaft / Choreographie der Bayern-Fans anlässlich des 80. Jahrestages der Dt. Meisterschaft 1932 / Die Bayern Story: 80 Jahre Deutscher Meister

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

 

→ In der Wittelsbachstraße nehmen wir den Bus 4A (Richtung Karlsplatz) und fahren bis zur Haltestelle Rochusgasse. Dort nehmen wir die U3 und fahren bis zur Endtation Simmering. Von dort folgen wir der Simmeringer Hauptstraße stadtauswärts bis zur Nummer 207-211. Hier befindet sich der Platz des 1. Simmeringer SC, bei dem der frühere Bayern-Spieler Peter Pumm seine aktive Karriere begann. Wegzeit: 40 Minuten

 

 
Station 4 (Peter Pumm): 1. Simmeringer SC, Simmeringer Hauptstraße 207-211 (11. Bezirk)

Heutiger Sportplatz des Simmeringer SC. ©bundesligainwien.at

Heutiger Sportplatz des Simmeringer SC. ©bundesligainwien.at

Als Peter Pumm sich 1964 vom Simmeringer SC im Wiener Osten von seinem Klubkameraden Gustl Starek verabschiedete, ahnten beide Spieler noch nicht, dass sich ihre Wege eines Tages beim FC Bayern erneut kreuzen würden. Beide begannen ihre aktive Vereinskarriere beim Simmeringer SC, der 1964 wieder mal aus der höchsten österreichischen Spielklasse absteigen musste. Während der zwei Jahre jüngere Starek (Baujahr 1945) noch eine Saison bei den Simmeringern dranhing, wechselte Peter Pumm zum Ligakonkurrenten Wacker Innsbruck, von wo er 1968 zum FC Bayern kam.
Doch schon vor seinem Wechsel in die Bundesliga hatte Pumms späterer Vereinskollege Franz Beckenbauer 1965 unsanfte Bekanntschaft mit dem rechten Verteidiger gemacht. In einem Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und Österreich am 9. Oktober 1965 fiel Pumm vor allem durch sein robustes Einsteigen auf. „Vorher kannte ihn keiner. Schon in der zweiten Minute war sein Name in aller Munde: Pumm ließ nach 120 Sekunden Netzer einen Meter vor dem Strafraum spektakulär fliegen“, notierte der Kicker in seinem Spielbericht unter dem Titel Der eigensinnige Herr Pumm. Zwei spielentscheidende Szenen steuerte Pumm bei: In der 46. Minute beging Pumm (Kicker: „Von wem sonst?“) ein Foul an Beckenbauer. Aus dem fälligen Freistoß fiel das 2:1 für Deutschland. Und in der 81. Minute wollte Pumm nach einem Freistoß in der eigenen Hälfte zu Torwart Gernot Fraydl (später Hertha BSC und 1860) zurückpassen. Dort kam der Ball aber nie an, da ein deutscher Spieler den Braten roch, dazwischen ging und für Ulsaß auflegte. Der brachte den Ball ohne Probleme im österreichischen Tor unter. Am Ende stand es 4:1 für Deutschland.
Es ist nicht überliefert, ob Franz Beckenbauer diese Szene noch im Kopf hatte, als Pumm 1968 zum FC Bayern stieß. Was aber (zumindest laut zeitgenössischen Medienberichten) überliefert ist, ist der Umstand, dass Pumm eigentlich schon beim Lokalrivalen 1860 unterschrieben hatte. Der Kicker vermeldete den Wechsel Pumms zu den Sechzigern im April 1968 schon als fix. Doch da bei 1860 mit zwei Ausländern das Kontingent bereits voll war und der Plan, Radenkovic einzubürgern nicht aufging, absolvierte Pumm bei den Bayern ein Probetraining. Die nahmen ihn prompt unter Vertrag.
Pumms Einstieg bei den Bayern gelang nach Maß, am 17. August 1968 machte er beim 2:0 gegen Kaiserslautern sein erstes Bundesligaspiel. „Pumm gefiel besser als Starek“ titelte der Kicker im Anschluss. Pumm habe vor allem durch das Zusammenspiel mit Beckenbauer die nötige Sicherheit gehabt. Der Wiener gewann mit den Bayern die ersten fünf Spiele der Saison 68/69, das Team von Branko Zebec grüßte von der Tabellenspitze. Zum Hauptdarsteller avancierte Pumm im September im Spiel gegen Eintracht Frankfurt (1:1). Pumm verschuldete im Zweikampf mit Grabowski einen Elfmeter, bot aber ansonsten eine kämpferisch beeindruckende Leistung. „Der Innsbrucker, ein bißchen schmächtig gebaut, ist ein Techniker, einer, der lieber etwas riskiert, statt den Ball blind wegzudreschen“, lautete das mediale Fazit.
Anfang Dezember wählte der Kicker Pumm nach einer engagierten Leistung gegen den Meister aus Nürnberg zum ersten Mal in die Elf des Tages. Die Bayern gewannen 3:0 und gingen wenige Wochen später mit vier Punkten Vorsprung auf Borussia Mönchengladbach als Tabellenführer in die Winterpause. Zu den Erfolgsgeheimnissen von Trainer Zebec gehörte die Konstanz seiner Mannschaft. Während der gesamten Hinrunde schickte der Jugoslawe die gleiche Mannschaft aufs Feld. „Lieber mal einen mitschleppen, denn die Gefahr, daß durch eine Umstellung die Mannschaft etwas aus ihrem gewohnten Rhythmus kommt, ist groß“, erklärte Zebec sein Erfolgsrezept.
Doch im Januar schien dem FC Bayern die Luft auszugehen. Bereits das letzte Spiel des Jahres 1968 ging gegen Hannover mit 0:1 verloren. Was aber noch viel schlimmer wog, war eine Rote Karte für Gerd Müller, der bis dahin Bayerns Torschütze vom Dienst war. Der DFB sperrte Müller für mehrere Wochen. Im Januar verlor der Tabellenführer prompt zweimal hintereinander, gefolgt von zwei Unentschieden. Der FC Bayern war zwar immer noch Tabellenführer, doch der Vorsprung auf die Konkurrenz war durch die „Januar-Krise“ auf einen Punkt zusammengeschmolzen. Hinzu kam ein blamables 0:0 im DFB-Pokal gegen Kickers Offenbach, wodurch ein Wiederholungsspiel notwendig wurde.
Die Wende gelang erst am 8. Februar 1969 im Auswärtsspiel bei Hertha BSC, dem ersten Spiel, in dem auch Gerd Müller wieder mitwirken durfte. Und Müller war es auch, der nach dem 0:1-Rückstand beide Tore zum 2:1 beisteuerte. In den folgenden zwölf Liga-Spielen verloren die Bayern nur zweimal und wurden am Ende der Saison überlegen mit acht Punkten Vorsprung auf Alemannia Aachen zum ersten Mal in der 1963 gegründeten Bundesliga deutscher Meister. Die Saison perfekt machten die Bayern durch den Sieg im Pokal. Nach dem blamablen 0:0 gegen Kickers Ofenbach gewannen die Bayern alle folgenden Spiele mit einem Torverhältnis von insgesamt 8:1. Sieben der acht Bayern-Tore kamen von Gerd Müller. Nach dem Pokalfinale (2:1 gegen Schalke) schrieb die Wiener Arbeiter-Zeitung: „Die Österreicher setzten sich diesmal gut in Szene. Starek als Ankurbler aus dem Hinterhalt, sein Klubkollege Pumm als verläßlicher Verteidiger.“ Für damalige Zeiten stolze 15.000 Mark kassierte Pumm für das Double.
Besser hätte die erste Saison für Peter Pumm bei den Bayern also nicht laufen können. Der Simmeringer absolvierte alle Spiele in Liga und Pokal und entwickelte sich gemeinsam mit seinem früheren Simmeringer Vereinskollegen Gustl Starek zu einer tragenden Säule in der Mannschaft des FC Bayern. Die beiden Österreicher seien für den FC Bayern „entscheidende Verstärkungen“ in dieser Double-Saison gewesen, bilanzierte der Kicker im Mai 1969.
Im Sommer verlängerte Pumm seinen Vertrag („Mir gefällt’s in München großartig. Und ich werde gut bezahlt.“) und auch in der folgenden Saison 69/70, in der die Bayern hinter Borussia Mönchengladbach Zweiter wurden, gehörte Pumm zur Stammelf und absolvierte 27 von 34 Ligaspielen. Mehrere Male schaffte es Pumm in die Kicker Elf des Tages. Sein einziges Tor für die Münchner – es war das 500. Ligator für den FC Bayern – schoss Pumm im September beim 3:0-Sieg gegen Borussia Dortmund.
Doch in der Saison 70/71 plagten den mittlerweile 27-Jährigen immer wieder Verletzungen, wodurch er aus der ersten Elf fiel. „Bei der starken Konkurrenz innerhalb unserer Mannschaft ist es schwer, wenn man pausieren muß, gleich wieder ins Team zu kommen. Umgekehrt geht’s auch dem Koppenhöfer oder dem Schwarzenbeck ähnlich“, schilderte Pumm gegenüber dem Kicker die Malaise. Anfang 1971 wurde darüber spekuliert, dass Pumm bei einem Angebot eines anderen Vereins den FC Bayern vorzeitig verlassen könnte. „Aber beschlossen ist noch gar nichts. Wenn mich der Verein behalten will, bleibe ich selbstverständlich“, so Pumm. Doch seitens des Vereins schwand das Interesse an einem weiteren Verbleib. Zudem gab es mit Trainer Udo Lattek einen Disput, nachdem Pumm öffentlich angedeutet haben soll, dass er sich schonen wolle um im Sommer 1971 für einen neuen Verein fit zu sein. „Wenn jemand kommt und für Pumm zahlt, was wir verlangen, werden wir seinen Vertrag frühzeitig lösen“, zitierte der Sportfunk den FC Bayern im Februar 1971. Trotz der atmosphärischen Verstimmungen kam Pumm auch in dieser Saison, in der die Bayern den Meistertitel am letzten Spieltag mit einer 0:2-Niederlage in Duisburg verspielten, auf 23 Einsätze. Berühmtheit erlangte Pumm in dieser Saison durch eine der legendären „Enten“, die Bayerns Manager Robert Schwan Journalisten unterzujubeln pflegte. Der abwanderungswillige Peter Pumm werde schon bald nach Italien transferiert, steckte Schwan 1971 einem Journalisten. Die dort geltende Ausländersperre könne man umgehen, da man in Pumms Ahnengalerie eine italienische Großmutter entdeckt habe. Die Story wurde tatsächlich veröffentlicht, sehr zum Spaß von Manager Schwan.
Mit atmosphärischen Problemen der anderen Art musste sich Pumm im Mai 1971 herumschlagen. „Peter verdient zwar zirka 40.000 Schilling im Monat, er kommt aber nur zum Wäschewechseln heim. Ich habe daher ein Recht darauf, mit ihm endlich einmal einen Urlaub gemeinsam zu verbringen“, verschaffte sich seine Frau Lieselotte öffentlich Luft über das Fußballerdasein ihres Mannes. Frau Pumm sollte es bald besser haben, denn zumindest die langen Reisen zu Auswärtsspielen nach Berlin oder Hamburg gehörten ab dem Sommer 1971 der Vergangenheit an: Pumm wechselte vom FC Bayern zum mit Sponsorengeld des örtlichen Stahlkonzerns aufgeblähten DSV Alpine Donawitz in die Steiermark.
Nach Pumms Abgang kursierten in deutschen Medien Gerüchte, wonach Pumms „lockere Zunge“ gegenüber Franz Beckenbauer zu seinem Ende beim FC Bayern beigetragen haben soll. Pumm „ließ sich angeblich die Majestätsbeleidigung zuschulden kommen, über Star Franz Beckenbauer nicht nur Schmeichelhaftes auszusagen, sondern unzart anzudeuten, daß ‚Kaiser Franz‘ seine Kollegen in der Hintermannschaft ganz schön für sich rennen lasse. Wer den Einfluß des Münchner Liebkindes kennt, mußte sich nicht darüber wundern, daß der Österreicher auf die Transferliste gesetzt wurde“, schrieb Sport und Toto. „Ich wollte Pumm nicht freigeben, aber Sepp Maier und Franz Beckenbauer verlangten es. Beide wären nicht mehr bereit gewesen, gemeinsam mit Pumm zu spielen“, erklärte Udo Lattek im August 1971 anlässlich eines Freundschaftsspiels der Wiener Austria gegen den FC Bayern (4:0 für den FCB). Pumm hätte sehr oft riskant gespielt , durch ihn habe man zu viele unnötige Tore kassiert. „Ein hervorragender Techniker, aber ihm haftet der Bruder Leichtsinn zu sehr an den Fersen“, erklärte Lattek gegenüber der Arbeiter-Zeitung. Pumms Fehlpass im 65er-Länderspiel gegen Deutschland scheint also kein einmaliges Hoppala gewesen zu sein.

 

Weitere Stationen von Peter Pumm (*1943 in Wien): Wacker Innsbruck (64-68), Bayern München (68-71), Alpine Donawitz (71-74) und erneut Innsbruck (75-77). 19 mal lief Pumm im Dress der österreichischen Nationalmannschaft auf (1 Tor).

Der 1. Simmeringer SC ist ein Traditionsverein im Wiener Osten. Seine beste Zeit erlebte der Verein in den 1920ern. Aktuell spielt der Verein in der vierthöchsten Klasse (Wiener Liga). Zu Zeiten von Peter Pumm und Gustl Starek spielte der Simmeringer SC noch auf der alten „Simmeringer Had“ in der Lberstraße 11. Web: www.simmeringer-sc.at

 

→ Wir gehen zurück zur U3-Station Simmering und fahren bis zur Haltestelle Stubenring. Anschließend geht’s dem Parkring entlang bis zum Hotel Marriott, wo Lothar Matthäus 2001 seine Antrittspressekonferenz als Trainer des SK Rapid Wien gab. Wegzeit: 30 Minuten.

 

 
Station 5 (Lothar Matthäus): Hotel Marriott, Parkring 12a (1. Bezirk)

Im Hotel Marriott hielt Lothar Matthäus seine Antrittspressekonferenz als Rapid-Trainer. ©bundesligainwien.at

Im Hotel Marriott hielt Lothar Matthäus seine Antrittspressekonferenz als Rapid-Trainer. ©bundesligainwien.at

Rund dreißig Minuten ließ Lothar Matthäus am 6. September 2001 die 200 Journalisten im Festsaal I des Hotel Marriotts warten. Dann endlich erschien der Ex-Weltfussballer und präsentierte sich der österreichischen Öffentlichkeit erstmals als neuer Teamchef des österreichischen Rekordmeisters. Die Konstruktion mit der Bezeichnung „Teamchef“ wurde gewählt, um Matthäus, dem die Trainerlizenz fehlte, das Engagement beim SK Rapid überhaupt erst zu ermöglichen. „Ich mag die Wiener, und ich hoffe, sie mögen mich irgendwann auch mal“, versuchte Matthäus gleich bei seinem ersten Auftritt zu punkten. Einen Tag zuvor landete Matthäus um 19:30 Uhr am Flughafen Wien-Schwechat. Mit im Gepäck hatte er Günter Güttler, der offiziell als Rapid-Trainer fungierte.
„Wir haben einen Trainer gesucht, der unseren Anforderungen in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Akzeptanz in den Medien, aber auch Fachwissen gerecht wird. Herr Matthäus hat unsere Erwartungen sogar übererfüllt“, erklärte Rapids Teammanager Stefan Ebner anlässlich der Präsentation von Lothar Matthäus im Falter. Vor allem seitens des damaligen Hauptsponsors, der zur bayrischen HypoVereinsbank gehörenden Bank Austria, war die Freude über das Engagement eines Weltstars wie Matthäus groß. „’Die sind auf den Namen Matthäus abgefahren‘, erklärte Rapid-Vizepräsident Peter Weber das ungewöhnliche Verhalten der Banker, die für das Millionenengagement eine Ausfallshaftung übernommen haben“, hieß es im Falter weiter.
Die Gerüchteküche über einen möglichen Matthäus-Deal lief in den Tagen zuvor auf Hochtouren. Als Favorit auf ein Matthäus-Engagement galt eigentlich Austria Wien mit ihrem Mäzen Frank Stronach, die auch tatsächlich Gespräche mit Matthäus geführt haben soll. Diese seien dem Deutschen jedoch „nicht engagiert genug geführt worden“, weswegen Matthäus bei Rapid zusagte. Mit den Hütteldorfern wollte Matthäus an große alte (und vor allem sportlich erfolgreichere) Zeiten anknüpfen. Die Mannschaft war zuletzt 1996 Meister geworden, in den Jahren danach reichte es viermal immerhin zum Vizetitel.
Über sein in der Liga auf Platz sechs stehendes Team zeigte sich Matthäus informiert: „Namentlich kenne ich alle. Schöttel hat mich mal gefoult, Freund kommt aus der Bundesliga. Und Wallner ist ein Riesentalent.“ Die Mannschaft brauche nach dem schlechten Saisonstart dringend ein Erfolgserlebnis. Und auch die ein oder andere Verstärkung für den Kader wurde diskutiert, zum Beispiel Matthäus ehemaligen Mannschaftskameraden beim FC Bayern, Andreas Herzog.
Sein erstes Spiel als Teamchef Rapids stand für Matthäus am 8. September 2001 auf dem Programm. Im Hanappi-Stadion empfing er mit seinem Team den Tabellenletzten Admira/Wacker, der damals von Rapid-Legende Hans Krankl trainiert wurde. Beide trafen bereits im September 1990 im Hanappi-Stadion aufeinander, als das von Krankl trainierte Rapid 2:1 gegen Inter Mailand (mit Regisseur Lothar Matthäus) gewann. „Hans, warum haut ihr so hinein“, soll Matthäus den Trainer Krankl damals an der Seitenlinie während des Spiels gefragt haben. Nun haute der Admira-Coach Matthäus erneut hinein, denn nach neunzig Minuten und zwei Spielausschlüssen stand es 1:0 für die Admira. Aus München folgten tröstende Worte von Franz Beckenbauer. „Jeder gute Trainer beginnt mit einer Niederlage“, sagte der frühere Teamchef, der seinen Einstand 1984 mit einem 1:3 gegen Argentinien „feierte“.
Doch im Gegensatz zu Beckenbauer, der mit dem DFB-Team in der Folge 6 Siege aus 7 Spielen holte, reichte es für Matthäus am folgenden Wochenende nur zu einem Punkt beim Meisterschaftszweiten Sturm Graz. Auf den anschließenden ersten Liga-Sieg (2:0 gegen Ried) folgten zwei Niederlagen. Matthäus gelang es in der Hinrunde nicht, Rapid zu stabilisieren und so fand sich sein Team zu Weihnachten als Vorletzter in der Tabelle wieder. Besser lief es vorübergehend nur im UEFA-Cup. Gegen Partizan Belgrad feierte Rapid in der 2. Runde einen fulminanten 5:1-Sieg, schied jedoch anschließend gegen Paris St. Germain mit einem Gesamtergebnis von 2:6 aus.
Die Welt am Sonntag schrieb, Matthäus sei in Österreich als „Retter, als Heilsbringer, mehr noch: Ein Deutscher, der den österreichischen Fußball wirklich ernst nimmt“ gefeiert worden. Auch auf anderem Gebiet sei Matthäus gut angekommen. „Zum Beispiel hat er seinen Jungs beigebracht, dass man die Trikots nach dem Spiel nicht einfach zusammenknüllt, sondern sortiert und auch die Socken richtig herum dreht, bevor man sie in den Korb wirft. ‚Denn der Zeugwart ist schließlich auch ein Mensch‘, soll er gesagt haben. Da hätten dann alle die Hacken zusammengeschlagen.“ Auf der anderen Seite habe er aber auch ein bisschen zu sehr den Oberlehrer heraushängen lassen. „Dieses ,Ich-habe-das-immer-schon-so-gemacht‘, ,Bei-mir-war-das-immer-schon-so‘, das muss er sich noch abgewöhnen.“
Auch im neuen Jahr stellte sich bei Rapid trotz des Matthäus’schen Beharrens auf „Das-war-schon-immer-so“ nicht der gewünschte Erfolg ein. Nach drei Siegen in Folge (4:0 Tore) schien Rapid sein Feuer bereits im März verschossen zu haben. Aus den folgenden elf Spielen holte das Team nur drei weitere Siege, dazu schied man im Cup aus. Für die Ansprüche eines Rekordmeisters zu wenig. Ein Knackpunkt war die 1:6-Niederlage in der Liga beim Red Bull-Vorgängerverein Austria Salzburg Ende April 2002. Spieler sollen gegen den eigenen Trainer gespielt haben, da dieser eine „zu harte Menschenführung“ (Kurier) an den Tag gelegt habe. Auch das Zusammenspiel mit Kapitän Andreas Herzog soll nicht reibungslos funktioniert haben, andere Spieler sollen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sein. Als eine Trennung von Rapid auch öffentlich bereits diskutiert wurde, gab sich Matthäus kämpferisch und betonte, Trainer bei Rapid bleiben zu wollen. „Egal, wie’s mit mir und Rapid ausgeht: Das größte Kapital sind die Fans. Die sind einmalig. Besser als in Mailand oder München.“ Die derart gelobten Rapid-Fans dankten es ihm mit Sprechchören und stehenden Ovationen.
Im Mai 2002 fand die erste Trainerstation des Lothar Matthäus schließlich ihr unrühmliches Ende. Der Verein trennte sich von dem Deutschen, der Streit um ihm angeblich zustehende Zahlungen ging in die Verlängerung und landete schließlich vor Gericht (wo Matthäus unterlag).
Traurig ob Matthäus vorzeitigem Abschied aus Wien waren vor allem die Boulevard-Medien des Landes, die in Matthäus eine stetige Quelle für Gerüchte und G’schichtaln vorfanden. Von insgesamt drei Damen wussten die österreichischen Medien während Matthäus Zeit in Wien zu berichten: Herzdame Nummer eins: Myriam, 32 Jahre alt. Eine Französin, die angeblich auf Vermittlung einer Partneragentur von Matthäus nach Wien eingeladen wurde. Mit ihr sei er „innig“ im Café Sacher beobachtet worden. Danach habe er sie im Hotel Imperial abgesetzt und sie nach einer geplatzten weiteren Verabredung via Mobilbox abserviert. „Mit uns, das war dann doch nicht so, wie es am Telefon rüberkam. Beim Mittagessen ist mir aufgefallen, dass du nicht gerade sitzen kannst und dir bei jeder zweiten Gabel der Reis runtergefallen ist. Ich achte auf so etwas. Tut mir Leid, aber ich suche eine andere Frau“, soll Matthäus auf die Mobilbox gesprochen haben. Seine weiteren Eroberungen sollen die 24-jährige Mitra sowie eine erst 17-jährige Giulia gewesen sein.
Matthäus selbst ordnet die neun Monate bei Rapid Wien in seiner Autobiografie Ganz oder gar nicht (Bastei Lübbe) wie folgt ein: „Mir war die Schwere der Aufgabe durchaus bewusst. Als ich kam, hatte Rapid Wien einen Nationalspieler im Kader. Aber als ich den Verein verließ, waren es sechs. Ich nahm viele junge Spieler in die Verantwortung und konnte in recht kurzer Zeit den Grundstein für spätere Erfolge setzen.“ Damit spielt Matthäus wohl auf den 2005 errungenen Meistertitel Rapids an, den er in seinem Buch allerdings in das Jahr 2004 vorverlegte. Auch seine sportliche Bilanz fällt in seinem Buch etwas positiver aus, als sie in Wirklichkeit war. Laut Matthäus belegte Rapid unter ihm in der Rückrundentabelle Platz vier – in Wahrheit war es jedoch nur Platz sieben.
Warum es mit ihm und einem längerem Engagement bei Rapid nicht klappen wollte? Matthäus machte dafür unter anderem die Unstimmigkeiten mit Rapids damaligem Präsidenten Rudolf Edlinger („Er war einmal Finanzminister gewesen, und als Politikernatur wollte er von einem auf den anderen Tag große Erfolge sehen“) verantwortlich. Edlinger sei es auch gewesen, der für eine Rückkehr Andreas Herzogs Stimmung gemacht haben soll, während Matthäus lieber auf junge Talente wie Andreas „Ivancic“ setzen wollte (Matthäus meint hier wohl den späteren Nationalspieler und Mainz-Legionär Andreas Ivanschitz). Darüber hinaus hätte einer der Masseure hinter seinem Rücken Stimmung gegen ihn im Team gemacht („vielleicht hätte ich auch die Masseure mal zum Essen einladen sollen“).

 

Lothar Matthäus (*1961 in Erlangen) kam über Borussia Mönchengladbach 1984 zum FC Bayern München. Insgesamt brachte es Matthäus für den FC Bayern auf 302 Spiele und 85 Tore. Zwischenzeitlich kickte der Europameister von 1980 sowie Weltmeister und Weltfussballer von 1990 vier Jahre bei Inter Mailand. Matthäus feierte mit Bayern München 7 deutsche Meistertitel, 2 Pokalsiege sowie den Gewinn des UEFA Cups 1996.

Passend dazu auf Youtube gefunden: Treffen der deutschen Trainer in der österreichischen Liga beim Spiel Tirol vs. Rapid (1.12.01, 1:0)

Das Hotel Marriott war im Frühjahr 1989 auch Schauplatz von „Geheimverhandlungen“ des FC Bayern mit dem ungarischen Superstar Lajos Detari. Ganz geheim waren die Verhandlungen dann aber doch nicht, denn die Sport-Bild brachte das Treffen als Aufmacher auf der Titelseite. „Am 27. April betraten gegen 21 Uhr Bayern-Präsident Professor Scherer, sein Manager Hoeneß und Geschäftsführer Hopfner eine reservierte Suite im Marriott-Hotel.“ Doch Detari, der die Verhandlungen in Wien seinem Manager überlassen musste weil er den Flieger verpasste, blieb in Piräus und wechselte 1990 zum FC Bologna.

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

Kulinarik:

  • Champions Bar (befindet sich im Marriott Hotel): Klassische Sportbar mit Live-Übertragungen (auch deutsche Bundesliga)

 

→ Wir folgen dem Parkring bis zum Schwarzenbergplatz. Von dort fahren wir mit der Straßenbahn D oder 71 (vorbei an Staatsoper, Parlament, Burgtheater & Co) bis zum Schottentor. Von dort geht’s mit der Linie 43 bis zur Haltestelle Hernals. Durch die Gräffergasse gelangen wir zum Friedhof Hernals, wo sich das Grab Willibald Hahns befindet (Gruppe R, Nr. 51), der den FC Bayern zwischen 1956 und 1958 trainierte und 1957 Pokalsieger mit dem FC Bayern wurde. Wegzeit: 40 Minuten

 

 
Station 6 (Willibald Hahn): Friedhof Hernals, Leopold-Kunschack-Platz 7 (17. Bezirk)

Grab der Familie Hahn auf dem Hernalser Friedhof. ©bundesligainwien.at

Grab der Familie Hahn auf dem Hernalser Friedhof. ©bundesligainwien.at

„Willibald Hahn, der zuletzt drei Jahre lang die norwegische Nationalmannschaft betreute, übernahm am 1. Juni das Training der Fußballelf des FC Bayern München. Bayerns bisheriger Trainer, Berti Moll, wird dem 48-jährigen Wiener, der in der Zeit Matthias Sindelars in der berühmten Austria-Mannschaft spielte, assistieren.“ Mit dieser Nachricht vermeldete die Neue Passauer Presse am 4. Juni 1956 den Trainerwechsel bei den Münchner Bayern.
Der gelernte Optiker wanderte nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 nach Norwegen aus und trainierte dort den Moss FK. Anschließend wurde er litauischer Nationaltrainer, bevor er 1953 Trainer der norwegischen Nationalmannschaft wurde. 1956 folgte Willibald Hahn dem Ruf der Bayern in die Oberliga Süd. Diese hatten nach ihrem Abstieg in die 2. Liga Süd 1955 soeben als Zweiter hinter dem Freiburger FC den sofortigen Wiederaufstieg geschafft. Unter Trainer Willibald Hahn sollte die Aufwärtsbewegung auch in der Oberliga fortgesetzt werden. Doch in der ersten Saison reichte es nur zu einem zehnten Platz, für Münchner Ansprüche schon damals enttäuschend. Zudem setzte es gegen so manchen Ligakonkurrenten empfindliche Niederlagen. So nahm im März 1957 die Spvgg Fürth den von Verletzungssorgen geplagten FC Bayern mit 8:1 auseinander. „Der Ball lief in den Reihen der Fürther wie mit dem Lineal gezogen, die Münchner wirkten dagegen erschreckend primitiv“, notierte der Kicker in seinem Spielbericht. Trainer Hahn hoffte im Anschluss einen „moralischen Knicks“ seines Teams verhindern zu können, „das wäre für die noch zu erwartenden schweren Spiele gegen den Abstieg höchst gefährlich“.
Auf der anderen Seite gab es in der ersten Hahn-Saison auch (wenige) Glanzlichter, wie zum Beispiel einen 4:1-Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt, der Anfang Mai wesentlich zum Klassenerhalt der Münchner beitrug. „Wir haben verdient gewonnen“, freute sich Hahn im Anschluss an den Sieg gegen die Frankfurter Eintracht, die zu diesem Zeitpunkt von Adolf Patek trainiert wurde, der ihn später beim FC Bayern beerben sollte. Dank eines Schlussspurts entging der FC Bayern dem drohenden Abstieg.
Vor der neuen Saison 1957/58 wurden die Münchner in den Medien als „Hecht im Karpfenteich“ bezeichnet, vor allem der neuen Torwart Arpad Fazekas (siehe Weitere Orte in Wien mit Bezug zum FC Bayern) wurde als echte Verstärkung bezeichnet. Doch der Ungar war erst ab Ende Oktober spielberechtigt und der Start in die neue Saison verlief für die Bayern mehr schlecht als recht. Während der gesamten Hinrunde krebste der FC Bayern im Mittelfeld der Oberliga herum. Zudem drangen Gerüchte bis nach Wien vor, wonach es rund um Trainer Hahn zu internen Meinungsverschiedenheiten gekommen sei. „Die Vereinsleitung warf Hahn vor, er fände keinen Kontakt mit den Spielern. Die Spieler erklärten jedoch, daß sie mit Hahn sehr zufrieden wären. Man nimmt an, daß die Klubleitung eine Möglichkeit konstruieren wollte, Hahn frühzeitig aus dem Vertrag zu entlassen“, schrieb der Sportfunk im Oktober 1957. Der Kicker griff Mitte Dezember Gerüchte auf, wonach der FC Bayern mit Fritz Walter „zwecks Übernahme des Trainings verhandle“.
So mies die Saison in der Liga verlief, so erfolgreich spielten die Bayern im Pokal. Mitte November erreichte Hahn mit dem FC Bayern nach einem 3:1 im Halbfinale gegen den FC Saarbrücken das Endspiel in Augsburg. Dabei wäre es nie zu diesem Finale gekommen, wenn sich die Verantwortlichen des FC Bayern zu Saisonbeginn durchgesetzt hätten und der Klub auf eine Teilnahme am Bewerb verzichtet hätte. „Dass wir überhaupt im Pokal spielten, war nur Trainer Willibald Hahn zu verdanken. Er hat darauf bestanden, dass wir zur ersten Runde in Neu-Isenburg antreten. Der Verein wollte aus Kostengründen verzichten“, erinnerte sich später der Spieler Ludwig Landerer (Grengel/Jockenhöfer in 100 Jahre FC Bayern München, Powerplay-Verlag).
Das Endspiel im Augsburger Rosenaustadion am 29. Dezember 1957 war für die Bayern das erste Pokalfinale ihrer später überaus erfolgreichen Liasion mit dem DFB-Pokal. „Der FC Bayern besaß bis dahin nicht gerade das Image einer Pokalmannschaft. Kämpferische Tugenden rechnete man nicht zu seinen Stärken, eher war die Mannschaft dafür bekannt, in Schönheit zu sterben“, fasst Dietrich Schulze-Marmeling die Münchner Spielanlage zusammen (Die Bayern-Geschichte des Rekordmeisters, Werkstatt). Von München nach Augsburg setzte eine wahre Fan-Völkerwanderung ein, Zeitungen spekulierten mit rund 20.000 Fans aus der bayrischen Hauptstadt. „Diese gewaltige Zuschauerkulisse ergoß sich schon in den frühen Morgenstunden des Sonntags auf der Autobahn von München in Richtung Augsburg. Die langen Autoschlangen konnten nicht mehr als 25 bis 30 km/st fahren. Einen großen Andrang gab es auch auf den von der Bundesbahn eingesetzten Sonderzügen“, notierte die Neue Passauer Presse am 30. Dezember 1957.
Aufgrund der schwierigen Wetterverhältnisse wähnte man sich beim FC Bayern leicht im Vorteil, denn in der Nacht vor dem Augsburger Finale schneite es intensiv. „Ihre Favoritenrolle hatten die Fortunen schon eingebüßt, als es zu schneien begann. Wer selbst in Flingerns Grenzen aufgewachsen ist, der weiß, daß für diesen Verein Schneeflocken Rarität und gefrorener Boden Sehenswürdigkeiten sind, die Fortuna auf solchem Boden nicht zu Hause ist“, schrieb der Kicker. Doch Trainer Willibald Hahn wollten den gefrorenen Boden nicht als Vorteil für die eigene Mannschaft gelten lassen. „Der harte Boden war auch uns ungewohnt und bereitete auch uns erhebliche Schwierigkeiten“, gab Hahn nach dem Spiel zu Protokoll.
Das spielentscheidende Tor erzielte Rudi Jobst erst in der 78. Minute, obwohl der FC Bayern über das gesamte Spiel hinweg drückend überlegend war. „Hätte Bayern drei oder vier Tore geschossen – keiner, auch kein Düsseldorfer, hätte den Münchnern ihr moralisches Recht auf ein 3:0 oder gar 4:0 abgesprochen“, notierte der Kicker in seinem Spielbericht. „Den dritten oder vierten Titel, den kennt man nicht mehr so genau. Aber den ersten! Beim Bankett war Herberger da. Zwei Tage vor Silvester, wir sind drei Tage lange aus dem Feiern nicht mehr rausgekommen“, erinnerte sich Ludwig Landerer später.
Die Saison 1957/58 schloss der FC Bayern in der Oberliga Süd auf einem enttäuschenden 7. Platz ab. Hahn musste bereits während der Saison seinen Hut nehmen. Mit Adolf Patek suchte die Bayern-Führung ihr Glück erneut in einem Trainer aus Wien.

 

Willibald Hahn (*1910 Wien) wurde in Wien-Donaustadt geboren und spielte bis 1938 bei mehreren Wiener Vereinen. Als Trainer betreute er die norwegische und schweizerische Nationalmannschaft 32 mal. Hahn starb am 31. Mai 1999.

Der Friedhof Hernals ist mit 161.019 Quadratmetern und fast 21.900 Grabstellen der siebtgrößte Friedhof in Wien (zum Vergleich: der Westfriedhof in München umfasst 497.000 Quadratmeter mit 41.700 Grabstellen). Auf dem Friedhof wurde unter anderem auch Ernst Happel beerdigt. Öffnungszeiten: 3. November bis Ende Februar 8-17 Uhr, März sowie Oktober bis 2. November 7-18 Uhr, April bis September 7-19 Uhr, Donnerstags Mai bis August 7-20 Uhr. Web:  www.friedhoefewien.at

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Kuffner Sternwarte (www.kuffner.ac.at, Johann-Staud-Straße 10, 16. Bezirk): Regelmäßig Führungen und Veranstaltungen, besonders empfehlenswert ist die Show „Grubers Universum“ mit Planetariumsdirektor und „Science Buster“ Norbert Gruber. (ca. 30 Min. Wegzeit, mit S45 bis Ottakring, dann mit 45B bis “An der Scheibenwiese”).

Kulinarik:

  • Ins Liebstöckl (Schultheßgasse 7, 17. Bezirk): Wiener Küche, Bier 0,3l (Stiegl, Murauer, Budweiser) 2,80 Euro, Schnitzel 8,10 Euro
  • Brandstetter (Hernalser Hauptstraße 134, 17. Bezirk): Wiener Küche, Bier 0,3l (Pilsner, Villacher, Kozel) 2,80 Euro, Schnitzel 8,20 Euro

 

 

→ Verlässt man den Friedhof durch das Haupttor, ragt (bei laubfreien Bäumen im Winter) rechter Hand bereits ein Flutlichtmast des Stadions des Wiener Sportklubs in den Himmel. Hier begann die Fußballkarriere von Adolf Patek, Trainer des FC Bayern zwischen 1958 und 1961. Wegzeit: 5 Min. zu Fuß

 

 
Station 7 (Adolf Patek): Wiener Sportklub, Hernalser Hauptstraße 214 (17. Bezirk)

Platz des Wiener Sportklubs mit Blick auf Haupt- und Friedhofstribüne. ©bundesligainwien.at

Platz des Wiener Sportklubs mit Blick auf Haupt- und Friedhofstribüne. ©bundesligainwien.at

Als 1919 das erste offizielle österreichische Cup-Finale ausgetragen wurde, stand mit Adolf Patek ein Spieler in den Reihen des Wiener Sport-Club, der ab 1958 drei Jahre lang Trainer des FC Bayern werden sollte. „Unter dem österreichischen Trainer Adolf Patek werden die Bayern wieder für große Namen attraktiv. Das neuformierte Ensemble läßt kurzzeitig Träume von der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft reifen“, schreiben Ralf Grengel und Rafael Jockenhöfer in 100 Jahre FC Bayern München.
Doch zurück in die 10er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Adolf Patek begann seine Laufbahn beim Sport-Club in der Kriegssaison 1915/16. „Der Wiener Sport-Club hatte seine Mannschaft notgedrungen weiter verjüngt. Nachdem nunmehr bereits Achtzehnjährige gemustert und zum Militärdienst eingezogen wurden, trat jedes Wochenende die Jugendmannschaft, von Karl Jordan geführt und zusammengehalten und gelegentlich durch ältere Reservespieler und Fronturlauber verstärkt, an“, berichtet die Vereinschronik des Sport-Club (Von Dornbach in die ganze Welt, Verlagshaus Hernals). Einer der Jugendlichen war der damals 15-jährige Adolf Patek, der sich in seiner ersten Saison auch gleich in die Torschützenliste eintragen konnte. Ein Jahr später gehörte Patek bereits zum fixen Personal des WSC, in der Saison 16/17 erzielte er drei Tore. In den folgenden beiden Spielzeiten sollten vier weitere Treffer folgen. Als sicherer Elfmeterschütze tat sich Patek während seiner Zeit beim Sport-Club dagegen nicht hervor. Als der Sport-Club in der Saison 17/18 gegen ASV Hertha Wien drei Elfmeter innerhalb von acht Minuten zugesprochen bekam, gehörte Patek zu jenen beiden Schützen, die ihre Versuche jeweils vergaben.
Im Pokalfinale von 1919 stand Patek mit dem WSC auf dem Hütteldorfer WAF-Platz schließlich vor mehr als 10.000 Zuschauern dem SK Rapid gegenüber. Der Sport-Club verlor das Spiel 0:3, „er spielte ohne Energie und Zusammenhang“ (Allgemeine Sport-Zeitung). Zu Adolf Pateks Leistung hielt die Zeitung am 12. Juli 1919 fest: „Es gab wohl hübsche Einzelleistungen wie Pateks Produktionen im Dribbeln. Bei den Spezialkonkurrenzen des Rapid hätte er damit vielleicht Erfolg gehabt. Aber die blieben Intermezzi ohne Einfluß auf die Handlung.“
Es wurde also nichts mit Adolf Pateks erstem Titel, dafür ging der Sport-Club auf Tournee durch die nach dem 1. Weltkrieg neu entstandene Tschechoslowakei. „Einige der böhmischen Vereine, allen voran Teplitz und Aussig, begannen mit Hilfe ehrgeiziger Mäzene Wiener Spieler abzuwerben. Weil kein Rechtsabkommen zwischen der Tschechoslowakei, Österreich und der FIFA bestand, benötigten die abenteuerlustigen Spieler keine Freigabe ihrer alten Vereine und hatten auch keine internationalen Sperren zu befürchten“, schildert die Vereinschronik des Wiener Sport-Clubs die anschließenden Absetzbewegungen mehrerer Spieler. Auch Patek nutzte die Gelegenheit und übersiedelte nach Aussig (heute: Usti nad Labem) und später nach Prag, wo er mehrere Meistertitel und den Mitropa-Cup gewann. Nach dem Krieg folgten mehrere Trainerstationen in Wien und Deutschland. Im Sommer 1957 kam er als Nachfolger des bereits während der Vorsaison entlassenen Willibald Hahn zum FC Bayern. Zuvor wurde er mit dem Karlsruher SC DFB-Pokalsieger und Vizemeister sowie mit Eintracht Frankfurt 1957 Flutlichtpokalsieger.
Unter seiner Regie kamen spätere Stammspieler wie Willi Giesemann (Libero der Nationalmannschaft), Karl Mai und die spätere 60er-Legende Peter Grosser nach München. Der gelernte Außenstürmer Adolf Patek ließ modernen Angriffsfußball spielen und wurde mit dem neu formierten Team 1959 Vierter in der Oberliga Süd. So gut konnte sich der FC Bayern seit 1949 nicht mehr in der Oberliga platzieren. Ein noch besserer Tabellenplatz wurde in der folgenden Saison 59/60 durch den DFB verhindert, der die Bayern aufgrund von Verstößen gegen die Regeln zur Spielerbezahlung zu einem Abzug von vier Punkten verurteilte. So landete Patek mit seinem Team auf Platz fünf, wodurch er die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft nur knapp verpasste.
Die Saison 60/61 verlief für die ambitionierten Bayern noch enttäuschender, trotz eines 6:2 im Derby gegen 1860 kam der FC Bayern in der Endabrechnung nicht über einen 8. Platz hinaus. Bereits im November 1960 machte sich Patek öffentlich Gedanken über einen bevorstehenden Abschied von den Münchnern. Zu kämpfen hatte der Wiener unter der Saison unter anderem mit den Auseinandersetzungen zwischen seinem Mittelläufer Mai und dem Rest der Mannschaft. „Mir ist ein Spieler, der mit Leib und Seele bei der Sache ist und dabei auch einmal seine eigenen Mitspieler nicht mit Glacéhandschuhen anfaßt, lieber als einer, der vermeidbare Niederlagen ungerührt hinnimmt“, zeigte Patek in der Neuen Passauer Presse Sympathien für Mai. Am Ende der Saison 1960/61 verabschiedete sich Patek vom FC Bayern. Er habe die Mannschaft zwar spielerisch weiterentwickelt, doch die Fans hätten den Wiener nicht gemocht, bilanziert Dietrich Schulze-Marmeling in Geschichte des Rekordmeisters. Bereits 1958 charakterisierte Sport und Toto Patek als „unverbesserlichen Skeptiker“, vielleicht kam das beim aufstrebenden FC Bayern nicht so gut an.
Ein Titel blieb Patek als einzigem Wiener Trainer des FC Bayern somit versagt. Seine Zeit beim FC Bayern bezeichnete er später als „aufregend“. In den Vereinschroniken scheint er zwar heutzutage auf, doch allzu viel Schmeichelhaftes fällt den Autoren zu ihm nicht ein. „Hans Eiberle beschreibt den legendären ehemaligen österreichischen Nationalspieler als ’nobel‘ und ‚immer ein bisschen aufdringlich parfümiert’“, beschränkt sich Dietrich Schulze-Marmeling in seiner Geschichte des Rekordmeisters auf Äußerlichkeiten. Mit Patek endete 1961 auch die Ära der Wiener Trainer beim FC Bayern. Patek ging zu Young Fellows Zürich und kehrte anschließend nach Österreich zurück.
Zu einem Wiedersehen zwischen Patek und dem FC Bayern kam es 1965 im Rahmen eines Freundschaftsspiels. In Bad Wiessee trafen die Münchner auf den von Patek trainierten FC Wiener Neustadt. Das Spiel endete vor 5.000 Zuschauern (darunter Bundeskanzler Ludwig Erhard) 6:1 für die Bayern. Der noble Herr Patek fand anschließend lobende Worte für seine frühere Mannschaft.

 

Adolf Patek (*1900 Wien) begann seine aktive Karriere beim Wiener Sport-Club. Mit Sparta Prag gewann er 1927 den Mitropa-Cup. Mit dem Vorgängerverein des heutigen Wiener Neustädter SC erreichte er 1965 das österreichische Cup-Finale, das gegen den LASK verloren wurde. Überliefert ist von ihm unter anderem der Satz: „Das schönste an einem Fußballspiel ist für mich, daß beide Mannschaften es heil überstehen.“ Patek starb am 9. September 1982 und wurde eine Woche später auf dem Friedhof Ottakring (Gallitzinstraße 5, Gruppe 15, Reihe 25) beerdigt.

Der Wiener Sport-Club (bzw. sein Nachfolgeverein) trägt seine Heimspiele seit 1904 am Sportclub-Platz in Wien-Hernals aus. Damit ist die Anlage der älteste heute noch bespielte Fußballplatz Österreichs. Das Stadion wurde mehrfach renoviert und erweitert. Sein heutiges Fassungsvermögen beträgt rund 8.000 Plätze. Für den Wiener Sport-Club und somit auch am Sportclub-Platz spielte mit Gustl Starek (77-79) auch ein ehemaliger Spieler des FC Bayern. Der Legende nach sollte auch Paul Breitner Ende der 1970er beim WSC anheuern. In einem Beitrag für den ORF wurde Breitner auf ein mögliches Engagement angesprochen, Breitner antwortete, dass er telefonisch von einem „Wiener Wurst Club“ kontaktiert wurde. Als die Fußballsektion des Wiener Sport-Clubs Anfang der 2000er Jahre in finanzielle Turbulenzen geriet, gründeten Spieler und Funktionäre den Wiener Sportklub als Auffangverein. Web: www.wienersportklub.at

 

→ Es geht zurück zur Haltestelle Hernals, von wo wir mit der S-Bahn 45 bis Hütteldorf fahren. Bereits kurz vor der Endstation sind die Flutlichtmasten des Gerhard-Hanappi-Stadions erkennbar, jenem Stadion, in dem der spätere Bayern-Spieler Gustl Starek für Rapid Wien auflief. Wegzeit: 35 Minuten

 

 

 

Station 8 (Gustl Starek): Gerhard-Hanappi-Stadion, Keißlergasse 6 (13. Bezirk)

Hanappi-Stadion, Heimstätte für Gustl Starek während seiner Zeit beim SK Rapid Wien. ©bundesligainwien.at

Hanappi-Stadion, Heimstätte für Gustl Starek während seiner Zeit beim SK Rapid Wien. ©bundesligainwien.at

„Der letzte österreichische Held der Bayern war Gustl Starek. Der diabolisch begabte Mittelfeldspieler wurde mit den Bayern Meister“, schrieb die Kleine Zeitung im Mai 2013 in einem Artikel über David Alaba, den aktuellen österreichischen Helden beim FC Bayern.
Gustl Starek begann seine Karriere beim Simmeringer SC, von dort wechselte er 1965 zu Rapid Wien. Mit den Hütteldorfern wurde Starek 1967 Meister, mit 21 Saisontoren krönte er sich zudem zum Torschützenkönig. Durch seine guten Leistungen machte der damals 22-Jährige auf sich aufmerksam und der beim 1. FC Nürnberg arbeitende Max Merkel holte Starek zum Club, wo er 1968 überraschend deutscher Meister wurde. Im Dezember 1967 gelangen ihm beim 7:3-Sieg gegen den FC Bayern zwei Torvorlagen. Nach dem Spiel setzte sich Bayerns Manager Schwan mit Starek zusammen und bot ihm einen Wechsel zum FC Bayern an. Den Münchnern war Starek auch aus einem anderen Spiel in Erinnerung, denn Starek schoss im 67er Europacup-Viertelfinale gegn den FC Bayern das Tor zum 1:0-Hinspielsieg für Rapid (siehe Station 9). „Die Situation war die, dass ich mich in die Mitte hineingeschwindelt habe und Sepp Maier mit einem Kopfball bezwungen habe. In der Partie bin ich mit Franz Beckenbauer aneinandergekracht, es war ein richtiger Kampf und nach dem Spiel folglich eine Riesenfreude“, erzählte Starek 2012 in einem Interview mit http://www.forza-rapid.com.
Als Starek 1968 zum FC Bayern kam, hatte er also bereits zwei Meisterschaften im Gepäck. Was anderes sollte also für ihn in München das Ziel sein, als der erneute Gewinn der Meisterschaft? „Ich bin eine Gütemarke für den Erfolg. Starek garantiert den Titel“, sagte er im Mai 1968. Nach seinem Einstand für den FC Bayern (2:0 gegen Kaiserslautern) schrieb der Kicker: „Starek, gegen den der Schiedsrichter etwas voreingenommen war, hatte eine Reihe guter Momente. Er wird sich bald Einleben und mehr Wirkung erzielen, wenn sich seine Vorderleute häufiger für steiles Zuspiel anbieten.“
Zwei Wochen später sollte sich die Prognose des Fußballmagazins bewahrheiten. Der FC Bayern empfing Uwe Seeler mit seinem HSV an der Grünwalder Straße und Branko Zebec ließ Starek von Beginn an auflaufen. Dieser dankte es ihm in der 29. Minute mit der Vorlage zum 1:0 durch Gerd Müller. Nach einem weiteren Müller-Tor erhöhte Starek in der 72. Minute auf 3:0. Am Ende hieß es 5:1 für die Münchner.
Doch Starek fiel nicht nur mit starken sportlichen Leistungen, sondern auch mit seiner mitunter eigenwilligen Art auf, die nicht bei allen Spielern des FC Bayern gut ankam. „Wenn Starek sich mehr auf das Spiel konzentriert und seine vielen Mätzchen und Fouls unterlassen hätte, wäre er zu eine großen Gefahr geworden, denn mit dem Ball umgehen kann der Österreicher“, beschrieb der Kicker nach einer 0:1-Niederlage gegen Werder Bremen im Oktober das grundsätzliche Spannungsfeld, in dem sich Starek bewegte. „Ich bin in Simmering aufgewachsen und da war der Verlierer schnell der Depp. Das ist in mir haften geblieben. In der Niederlage, oder auch wenn sie sich angebahnt hat, war ich ekelhaft. Ich habe die Schuld meistens bei meiner Umgebung gesucht, also bei Mitspielern, Gegnern und Schiedsrichtern“, blickte er in einem Interview mit dem Ballesterer auf seine aktive Zeit zurück. In der öffentlichen Wahrnehmung half es auch nichts, dass seine Frau Renate 1969 bekannte, dass der Gustl „zu Hause der friedlichste Mensch der Welt ist“.
Im Dezember 1969 verloren die Bayern das letzte Spiel der Hinrunde gegen Hannover und erneut wurde Starek verhaltensauffällig. „Leider hat der Gastspieler Starek, von jeher ein Mann mit ungemütlichem Temperament, von Anfang an die Serie der Fouls eröffnet und fortgesetzt“, hieß es im Spielbericht. Hannovers Trainer Zlatko „Tschik“ Cajkovski beschwerte sich im Anschluss, „Starek hat auf deutschen Fußballplätzen nichts mehr zu suchen“.
Die Niederlage gegen Hannover war erst die zweite Saison-Niederlage für die Bayern, doch aufgrund der Roten Karte gegen Gerd Müller und dem damit verbundenen Ausfall des Torschützen vom Dienst, kamen die Bayern erst im Februar wieder in Schwung. Und gerade als der FC Bayern wieder in die Erfolgsspur zurückfand, sorgte Gustl Starek für die nächste Unruhe im Verein. „Wirbel um ein kleines Helles“, titelte der Kicker im Februar 1969. Was war passiert? Starek trank in zwei Trainingspausen jeweils ein kleines Bier und wurde beim zweiten Gerstensaft von Trainer Branko Zebec erwischt. Zebec, der später selbst Probleme mit übermäßigem Alkoholgenuss haben sollte, beließ es bei einer Ermahnung.
Dass die Spieler des FC Bayern Respekt vor Starek hatten, zeigt ein öffentlicher Aufruf Franz Beckenbauers vor dem Länderspiel Deutschland vs. Österreich im Mai 1969. Er würde Starek nicht empfehlen, im Spiel gegen Deutschland anzutreten. „Stellen Sie sich vor, der Starek wirft uns durch ein Tor raus“. Nun, Starek spielte, aber vergaß aufs Toreschießen. Deutschland gewann mit 1:0 (Youtube).
Wenige Wochen später standen die Bayern als Double-Sieger fest. Der Wiener Sportfunk attestierte Starek, mit dem Engagement bei den Bayern „auf das richtige Pferd gesetzt zu haben. Es gibt derzeit sicherlich keinen zweiten deutschen Klub, der mit solchen gigantischen Zahlen jonglieren kann.“ Gemeint waren die Prämien für Meisterschaft und Pokalsieg, insgesamt verdiente jeder Spieler in der Saison 1968/69 550.000 Schilling, rechnete der Sportfunk vor (39.250 Euro).
Im September 1969 unterzog sich Starek einer schon lange geplanten Meniskusoperation, die ihn erstmal außer Gefecht setzte. Dabei wurde der Wiener noch kurz zuvor von Trainer Branko Zebec geadelt, „keiner beherrscht die taktische Kunst des Wechsels von Tempospiel auf Verzögerung so gut wie Starek.“ Was vor der Operation keiner ahnte: Der 3:0-Sieg gegen Borussia Dortmund am 12. September 1969 sollte Stareks letzter Einsatz im Trikot des FC Bayern gewesen sein. „Am Donnerstag war ich beim Gustl im Krankenhaus. Bis zum Becken lag er in Gips. Denn bei der Operation stellte sich heraus, daß nicht nur am Meniskus etwas gemacht werden mußte, sondern auch die Innen- wie Außenbänder in Mitleidenschaft gezogen wurde“, berichtete sein Wiener Mannschaftskamerad Peter Pumm. Der Kicker bekannte öffentlich: „Nicht nur der FC Bayern vermißt ihn, auch die Bundesliga vermißt den ‚Wilden Mann‘, den ‚Hallodri‘ von Wien, den Feinmechaniker des Fußballs.“
Offensichtlich glaubte beim FC Bayern niemand mehr so recht an eine vollständige Genesung Stareks, denn 1970 verlieh man den Mittelfeldspieler an Rapid Wien. Eine Rückkehr zu den Bayern scheiterte nicht zuletzt an den verbalen Scharmützeln, die sich Starek mit Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker lieferte. Bei Rapid „kurierte er sein fast steifes Bein durch intensives, schonungsloses Selbsttraining wieder aus und schaffte ein knappes Jahr später sogar ein Comeback in der Nationalmannschaft, deren Trikot er insgesamt 22 mal getragen hat. Nur drei A-Spiele mehr, und Starek wäre die ÖFB-Ehrenkarte zum Gratisbesuch aller Spieler sicher gewesen“, schrieb der Kicker. Das Sportmagazin vergaß nicht, in seinem Bericht auch die zahlreichen Roten und Gelben Karten zu vermerken, die Starek im Lauf seiner Karriere sammelte (bis 1976 6 Rote und 31 Gelbe Karten). Auch auf Stareks legendären Auftritt mit Rapid Wien bei Wacker Innsbruck wies der Kicker seine treuen Leser hin. „Die Leute haben mich beschimpft und da hab’ ich überlegt, wie ich mich revanchieren kann. Mit Worten war das schlecht möglich. Also bin ich aufgestanden, hab den Hosenbund etwas gelockert und ihnen eine Arschbacke gezeigt. In den Berichten ist daraus der ganze Hintern geworden. Jedenfalls ist es zu einem Tumult gekommen. Die Leute haben noch mehr geschrieen. Das hat mir besonders gefallen, und da hab ich es halt noch einmal gemacht. Dann ist die Polizei gekommen und hat mich gebeten, wegzugehen“, schilderte Starek die Situation dreißig Jahre später gegenüber dem Ballesterer.
Der zweifelhafte Ruf Stareks ging sogar so weit, dass Trainer ein beabsichtigtes Engagement bei Rapid ausschlugen. „Von und über Starek habe ich schon vorher viel gehört. Was ich dann noch in Wien erfuhr, hat wesentlich zu meiner Absage beigetragen. Wenn ein Herr Starek zu bestimmen hat, und wenn auch einzelne Spieler gewissermaßen Leibeigene verschiedener Leute sind, dann ist das keine Basis für eine erfolgreiche Aufbauarbeit“, gab Hemlut Kronsbein den Rapidlern 1976 einen Korb. Noch im gleichen Jahr hatte auch Rapid genug von Gustls Eskapaden, die sich mitunter auch in verbalen Rundumschlägen gegen den eigenen Trainer äußerten und suspendierte Starek.

 

Gustl Starek (*1945 Wien) begann seine Karriere als Spieler beim 1. Simmeringer SC. Seine Karriere beendete er 1980 bei der Vienna. Es folgten zahlreiche Trainerstationen bei fast allen großen österreichischen Vereinen sowie beim VfB Leipzig (1994-96). Über sein Dasein als Fußball-Pensionär sagte Starek 2006 zum Ballesterer: „Ich habe ein sehr schweres Los. Wenn ich in der Früh aufstehe, muss ich mich entscheiden: Gehe ich ins Fitnessstudio oder Golfen oder Kartenspielen?“

Derzeit wird das 1977 eröffnete Gerhard-Hanappi-Stadion inkl. des Vereinsmuseums „Rapideum“ umgebaut. Die Neueröffnung ist für Sommer 2016 unter dem Namen Allianz-Stadion geplant. Österreichs Rekordmeister Rapid Wien trägt seine Heimspiele während der Umbauphase im Ernst-Happel-Stadion aus.

Dazu passend auf Youtube gefunden: Gustl Starek vs. Hans Krankl http://www.youtube.com/watch?v=_h0uF_fKgOc / Länderspiel Ungarn vs. Österreich (2:2) 1974 mit einem Tor von Gustl Starek http://www.youtube.com/watch?v=YQZjpO9HB-E / Admira Wacker vs. Rapid Wien (4:3) 1992 mit Gustl Starek auf der Rapid-Trainerbank http://www.youtube.com/watch?v=YxONpyaxL1U

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Otto Wagner Kirche am Steinhof (www.wienkav.at, Baumgartner Höhe 1, mit S45 und Bus 48A ca. 30Min Wegzeit)
  • Ernst Fuchs Museum (www.ernstfuchs-zentrum.com, Hüttelbergstraße 26, mit Bus 52b ca. 20 Min Wegzeit)
  • Lainzer Tiergarten mit Hermesvilla via Nikolaitor (www.lainzer-tiergarten.at, Ecke Nikolausgasse/Himmelhofgasse, zu Fuß ca. 15Min)

Kulinarik:

  • Stag’s Head (Keißlergasse 1, 14. Bezirk): Irish Pub, Bier 0,25l (Stag’s Draft, Ottakringer, Irische Biere) 2,30-2,80 Euro, Schnitzel 8,90 Euro

→ Als Bayern München 1967 in Wien gegen Rapid um den Einzug in das Halbfinale im Europapokal der Pokalsieger spielte, wohnte das Team im Hotel am Kahlenberg. Ein Ausflug auf den 484 Meter hohen Berg lohnt sich vor allem bei schönem Wetter, denn dann bietet sich Besucherinnen und Besucher ein herrlicher Blick über die Donau und Wien. Von Heiligenstadt (U4) aus ist der Kahlenberg mit dem Bus 38A erreichbar.

 

 
Ausflugstipp (EC der Pokalsieger gegen Rapid Wien 1967 & Walter Fembeck): Kahlenberg

(Dunstiger) Blick über Wien vom Kahlenberg. ©bundesligainwien.at

(Dunstiger) Blick über Wien vom Kahlenberg. ©bundesligainwien.at

Ende der 1960er war der DFB-Pokal fest in Hand der Münchner Bayern. 1966, 1967 und 1969 holte der FCB den Titel jeweils in die bayrische Landeshauptstadt. Durch den Triumph im Jahr 1966 qualifizierte sich Trainer „Tschik“ Cajkovski mit seinem Team für den Europapokal der Pokalsieger. Nach Siegen gegen Tatran Presov (Gesamtergebnis 4:3) und die Shamrock Rovers (4:3) wartete im Achtelfinale Rapid Wien.
Das Hinspiel wurde für den 15. Februar 1967 angesetzt, Spielort war das Wiener Praterstadion (heute Ernst-Happel-Stadion). Während es im Pokal und im Europapokal für die Bayern ganz gut lief, krebste das Team in der Bundesliga nur im Mittelfeld herum, die Abstiegsränge lagen deutlich näher als die Tabellenspitze. Rapid-Trainer Rudi Vytlocil warf beim 2:2 der Bayern gegen den Karlsruher SC in der Grünwalder Straße einen Blick auf den kommenden Gegner und kam zu folgendem Ergebnis: „In dieser Form werden die Bayern am Mittwoch in Wien gegen Rapid verlieren.“ Und dass, obwohl Rapid sich noch mitten in der Winterpause befand. Der FC Bayern sei zwar eine gute, aber keineswegs unbezwingbare Mannschaft, so Vytlocil. Äußerungen von Tschik Cajkovski schienen den Optimismus des Rapid-Trainers zu rechtfertigen. „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Wir sind in der Rückrunde der Bundesliga noch immer ohne Sieg, obwohl ich in den letzten Wochen alle Möglichkeiten ausprobiert habe“, wurde der Bayern-Coach in der Arbeiter-Zeitung zitiert. Eine Sonderbewachung sah man bei Rapid nur für Gerd Müller und Franz Beckenbauer vor, ansonsten wollten sich die Hütteldorfer auf ihr eigenes Spiel konzentrieren. Der FC Bayern kam am Montag (13. Februar) in Wien an, der „Reisegesellschaft gehörten 16 Spieler an“. Quartier nahm man hoch über Wien im Hotel am Kahlenberg. Gegner Rapid zog ein Trainingslager in Baden einem Aufenthalt in der Hauptstadt vor.
Als der belgische Schiedsrichter das Spiel am Mittwoch um 17:30 Uhr anpfiff, waren 45.000 Zuschauer ins weite Rund des Praterstadions gekommen. Die aus heutiger Sicht ungewöhnliche Anstoßzeit orientierte sich damals noch eher am Heulen der Feierabend-Sirenen in den Fabriken und weniger an der TV-Primetime, da eine Liveübertragung nicht vorgesehen war. Erst für 23 Uhr kündigte der ORF eine zehnminütige Zusammenfassung des Spiels an. Die Arbeiter-Zeitung schrieb zur Performance der Zuschauer, dass die Stimmung „beinahe südländisch war. Noch nie zuvor hat man bei einem Fußballmatch im Stadion so viele Fahnen gesehen, noch nie sind so viele Böller und Feuerwerkskörper abgeschossen worden.“
Der FC Bayern versuchte es an diesem Winterabend in Wien mit einem sehr defensiv ausgerichteten 4-3-3. Erst als das erste Anrennen der Rapidler vorbei war, wagten sich auch die Bayern langsam in die gegnerische Spielhälfte. In der 17. Minute vergab Dieter Koulmann die große Chance zur Münchner Führung. Danach igelten sich die Bayern wieder ein und überließen Rapid die Initiative, die jedoch in der ersten Halbzeit nicht mit einem Tor gekrönt wurde. Erst nach Wiederanpfiff belohnte sich Rapid für den betriebenen Aufwand: Die gelobte südländische Stimmung erreichte in der 48. Minute ihren Höhepunkt, als Gustl Starek das 1:0 für die Heimmannschaft köpfte. „Hasil hebt einen Freistoßball hoch vor das Tor, aus dem Gewirr von Leibern schnellt Starek empor und verlängert den Ball mit dem Kopf unhaltbar in das Netz“, schilderte die Arbeiter-Zeitung die spielentscheidende Szene. Die Bayern zogen sich vor lauter Schreck über den Gegentreffer wieder zurück. „In der Schlußphase des Kampfes, als Rapid fast unaufhörlich auf das 2:0 drängte, standen oft bis auf zwei, drei Angreifer alle Spieler im eigenen Strafraum.“ Trotz der angeordneten Sonderbewachung konnten sich auf Seiten des FC Bayern vor allem Franz Beckenbauer und Gerd Müller auszeichnen. Auch der „katzengewandte“ Sepp Maier erhielt ein Extra-Lob.
Für Rapid war der 1:0-Sieg zu wenig, das Rückspiel gewannen die Bayern zwei Wochen später mit 2:0 nach Verlängerung (Tore: Ohlhauser, Müller). Im Münchner Rückspiel sorgte der Rapidler Seitl für Aufregung, als er sich nach einer Roten Karte weigerte den Platz zu verlassen. So musste ihn die Polizei in die Kabine geleiten. Die Bayern holten sich schließlich im Finale gegen die Glasgow Rangers den Europapokal.
Zwei weitere Male kam der FC Bayern zu einem normalen Europacupspiel nach Wien: 1986 im Landesmeisterpokal (siehe Station 2) und ein Jahr zuvor, in der 2. Runde des Landesmeisterpokals 85/86. Im Hanappi-Stadion gab es ein 3:3 gegen Austria Wien. Nach einem frühen Rückstand glich Roland Wohlfahrt für die Bayern aus. Toni Polster stellte in der 71. Minute auf 2:1 für die Austria, ehe Norbert Nachtweih und Michael Rummenigge in der 80. bzw. 82. Minute den FC Bayern in Führung brachten. Zwei Minuten vor Schluss war es erneut Toni Polster, der der Wiener Austria per Elfmeter das Unentschieden rettete, das aufgrund des 4:2-Sieges der Bayern im Hinspiel für die Wiener jedoch zu wenig war.
In Erinnerung geblieben sind auch zahlreiche Freundschaftsspiele, zu denen der FC Bayern meist aus Anlass eines Jubiläums der beiden großen Hauptstadt-Klubs nach Wien kam. Zum 75er von Rapid gewann der FC Bayern im August 1974 mit 3:2. Das Tor zum 2:1 durch Franz Roth ist bis heute legendär, denn der Schuss von „Bulle“ hatte soviel Kraft, dass er das Tornetz im Praterstadion durchschoss.
Die Vorbereitung zum Europapokalduell mit Rapid Wien im Februar 1967 nutzte übrigens auch ein Funktionär des FC Bayern für einen Besuch in seiner alten Heimat: Walter Fembeck, den es in den Wirren des 2. Weltkriegs nach Bayern verschlug. Dort ließ er sich nieder und amtierte zwischen 1957 und 1983 als Geschäftsführer des FC Bayern.
Fembeck war es zu verdanken, dass sich Gerd Müller im Frühjahr 1964 nicht für den Lokalrivalen und Bundesligisten 1860 sondern für den damals noch zweitklassigen FC Bayern entschieden hat. Denn obwohl die Herren von 1860 sich bereits ankündigten, fuhr Fembeck nach Nördlingen, um der 1860-Abordnung zuvorzukommen. Als der Bürgermeister der 19.000-Einwohnerstadt Wind von der Aktion bekam, eilte er eigens zu Familie Müller um den jungen Gerd zu einem Verbleib beim Lokalverein TSV Nördlingen zu überreden. Doch da hatte Müller sein Wort schon dem FC Bayern gegeben. Wenn ich nicht für die Bayern freigegeben werde, dann spiele ich auch nicht mehr für den TSV“, so Müller.
So kamen auch die 60er zu spät in Nördlingen an, die der Legende nach mit dem Zug nach Schwaben reisten und Probleme mit der Verbindung hatten. „Die Bayern wurden zur Hintertür hinauskomplimentiert und warteten in einem Restaurant, bis Müller den Löwen-Gesandten höflich abgespeist hatte“, heißt es auf bundesliga.de. Danach gab auch Müllers Mutter ihren Segen, schließlich musste sie den Vertrag unterschreiben, da der junge Gerd noch minderjährig war. Bei 1860 versuchte man später die für die Löwen unglücklich verlaufene Mission Müller herunterzuspielen. Noch fünf Jahre später legte man nach einer Müller-Story im Kicker Wert darauf festzustellen, dass man zwar mit Müller verhandelt habe, ihm aber keinen Vertrag mehr anbieten konnte, da bereits drei Amateurspieler unterschrieben hatten. „1860 schlug vor, Müller ein Jahr aufzubauen und dann ins Vertragsverhältnis einzusteigen. Müller lehnte ab und unterschrieb bei Bayern“, hieß es im September 1969. Dabei waren nicht alle beim FC Bayern von Müllers Talent überzeugt. „Unser Trainer Cajkovski sagte zu mir: ,Fembeck, was hast du für Augen? Der hat doch viel zu dicke Oberschenkel und ist zu klein.’ Aber es ist ja was aus dem Müller geworden“, erinnerte sich Fembeck später in der Abendzeitung. Mit Cajkovski einer Meinung war übrigens auch Austria Wien-Legende Ernst Ocwirk, der ebenfalls die „überdimensionierten Oberschenkel“ Müllers bekrittelte.
Fembeck vergaß seine alte Heimat auch während seiner Zeit in München nicht, vor allem was den Fußball betraf. „Walter Fembeck, den Geschäftsführer des amtierenden Weltpokalsiegers Bayern München, hielt es vor einer Woche beim 7:1-Sieg seiner Mannschaft gegen Schalke 04 nicht mehr auf der Tribüne. Nach dem 3:1 von Uli Hoeneß verschwand Fembeck in den Katakomben des Olympia-Stadions und setzte sich im Stadion-Restaurant vor den Fernsehapparat. Dort bangte er um die österreichische Mannschaft, die im WM-Qualifikationsspiel gegen die DDR kämpfte.“

 

Die Aufstellung des FC Bayern am 15. Februar 1967: Maier – Roth, Olk, Kupferschmidt, Beckenbauer – Rigotti, Nafziger, Ohlhauser – Müller, Koulmann, Brenninger

Der Kahlenberg gehört zum östlichen Ende des Wienerwaldes und gehört gemeinsam mit dem benachbarten Cobenzl (Latisberg) zu den klassischen Ausflugszielen der Wiener.

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Aussichtsturm Stefaniewarte (www.wien.info)
  • Zahlreiche Wanderwege mit Einkehrmöglichkeiten
  • Pfaffenberg mit Lebensbaumkreis (www.himmel.at)

 

 

 

Weitere Orte in Wien mit Bezug zum FC Bayern:

  • Am Hof 11, 1. Bezirk: In der Zentrale der „Ersten Allgemeinen“ (heute ein Sitz der Generali) war der gelernte Versicherungskaufmann im August 1976 zu Gast. Den österreichischen Fußball verfolge er im Fernsehen mit großem Vergnügen, erklärte Beckenbauer bei dieser Gelegenheit. „Mit Vergnügen? Kein Wunder, ein richtiger Fußballer kann doch die Ballversuche in Österreich nur als Belustigung betrachten“, kommentierte ein launiger Alfred Nimmerrichter anschließend in der Arbeiter-Zeitung.
  • Hofburg, 1. Bezirk: In der Hofburg wurde David Alaba am 18. Juni 2013 von Bundespräsident Heinz Fischer empfangen. 1971 ließ sich Franz Beckenbauer in der Hofburg neben einer Büste des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. Fotografieren. Der Legende nach soll dieses Foto dem Beckenbauer Franz den Beinamen „Kaiser“ eingebracht haben, tatsächlich tauchte der Begriff Kaiser jedoch bereits rund um das Pokalendspiel 1969 gegen Schalke04 in der Süddeutschen Zeitung sowie der tz auf.
  • Kärntner Straße 41, 1. Bezirk: Im Casino Wien war Franz Beckenbauer im Mai 1988 zu Gast, um in der Circle Bar seine VHS-Kassette „Meine größten Spiele“ zu präsentieren. „Nach Ausschnitten der rund 100minütigen Porträt-Cassette, die auf allen drei gängigen Systemen in Kürze auf dem Markt gebracht wird, kann von einem durchschlagenden Erfolg gesprochen werden. Wie ihn Franz Beckenbauer bei seinen Auftritten auf und außerhalb des Rasens ja stets hat“, frohlockte der Sportfunk.
  • Opernring 2, 1. Bezirk: 2012 besuchte Lothar Matthäus den Wiener Opernball in der Staatsoper. „Erst nach einem Paar Würstel und einem Gulasch konnte er sich wieder dem Geschehen auf dem Parkett widmen“, wusste der Kurier zu berichten. Im weiteren Verlauf des Abends hatte Matthäus Pech mit seinem Auto, das eine Reifepanne hatte.
  • Philharmoniker Straße 4, 1. Bezirk: Im Hotel Sacher traf sich die Familie von David Alaba mit Vertretern des AC Milan, bevor man sich schließlich für den Wechsel zum FCB entschied. 2002 ging Lothar Matthäus hier laut der Illustrierten News mit einer „Bekannten“ Kaffee trinken.
  • Seilerstätte 5, 1. Bezirk: Im Club Beverly Hills legte David Alabas Vater früher als DJ auf.
  • Johannesgasse 28, 3. Bezirk: Im Hotel Intercontinental bezogen die Bayern 2005 Quartier, als sie im Rahmen der Champions League auf Rapid Wien trafen.
  • Prinz Eugen Straße, 4. Bezirk: In der am Belvedere entlang führenden Straße residierte Lothar Matthäus in einer Dachterrassenwohnung. Vertraglich zugesichert wurde ihm zuvor eine 280 Quadratmeter-Wohnung im ersten Bezirk.
  • Linke Wienzeile 6, 6. Bezirk: Im Theater an der Wien fand sich Lothar Matthäus im Herbst 2001 zur Premiere des Musicals „Jekyll und Hyde“ in Damenbegleitung ein. „Nicht die Hamburgerin Janina Youssefian, auch bekannt als Dieter Bohlens ‚Teppichluder‘, war an seiner Seite, sondern eine hochgewachsene Blondine. ‚Das ist die Ulli aus München‘, sagte Matthäus der Bild. Noch vergangenes Wochenende war ‚Loddar‘ mit Dieter Bohlens Kurzaffäre, der 21-jährigen Janina, im Wiener ‚Renaissance»-Hotel‘ gesehen worden“, schrieb die Netzeitung im Oktober 2001.
  • Mariahilfer Straße 81, 6. Bezirk: Wo heute der Stadtsaal zu Theater- und Kabarettvorstellungen einlädt, befand sich früher das Hotel Münchnerhof. In diesem logierte 1957 der aus politischen Gründen aus Ungarn geflüchtete Torhüter Arpad Fazekas. „Am liebsten wäre es ihm, wenn er bei Austria eine Unterschlupfmöglichkeit finden würde“, hielt der Sportfunk im Januar 1957 fest. Doch die Austria blieb ob der aus Ungarn angedrohten einjährigen internationalen Sperre zurückhaltend und so ging Fazekas zum FC Bayern, wo Willibald Hahn gerade Trainer war. Für den FC Bayern absolvierte Fazekas bis 1961 100 Ligaspiele. Fazekas „glänzte durch sicheres Stellungsspiel und blitzschnelle Reaktionen und beendete die lange Torhütermisere des FC Bayern.“ (Schulze-Marmeling)
  • Mariahilfer Straße, 6. Bezirk: Auf dem „Walk of Stars“ durfte sich Andreas Herzog mit Hand- und Fußabdrücken verewigen. Aufgrund der derzeitigen Umgestaltung der Straße in eine Fußgängerzone wird über eine Verlegung des Walk of Stars diskutiert.
  • Wallgasse 18-20, 6. Bezirk: Im Raimundtheater sah sich Lothar Matthäus 1993 das Musical „Phantom der Oper“ an, anschließend ging es in die Promi-Disco „Queen Ann“, wo er „trotz vieler auffordernder Blicke lediglich seine hübsche Frau zum Tanz bat“ (Kurier).
  • Kundratstraße 3 (10. Bezirk): Im Kaiser Franz Josef Spital kam David Alaba am 24. Juni 1992 auf die Welt.
  • Simmeringer Hauptstraße 337, 11. Bezirk: Am 18. Dezember 1961 wurde in der Simmeringer Feuerhalle Heinrich Körner bestattet, der 1937/38 Trainer des FC Bayern war.
  • Roland Rainer Platz 1, 15. Bezirk: Zwischen 17. und 19. Dezember 1971 nahm der FC Bayern am Wiener Stadthallenturnier teil. Extra für die Bayern wurde der Termin von Februar auf Dezember vorverlegt und das Preisgeld erhöht. „Im Vorjahr kassierte Austria Salzburg für den Turniersieg nur 60.000 Schilling (Anm.: 4.360 Euro). ‚Ein etwas höherer Anreiz müßte uns schon geboten werden‘, stellte der Vertreter von Bayern München fest“, schrieb Sport und Toto 1971. Als Sieger des Turniers nahm der FCB schließlich 100.000 Schilling mit nach München, Gerd Müller wurde Torschützenkönig. „Wir alle hatten hier den besten Eindruck gewonnen, es wurde fair gespielt, die Stimmung und der Rahmen in dieser prachtvollen Halle waren bestens“, zeigte sich Franz Beckenbauer nach dem Turnier beeindruckt.
  • Ecke Händelgasse/Schumanngasse, 17. Bezirk: Beim Gersthofer SV startete der spätere Bayern-Trainer Willibald Hahn in den 1920ern seine aktive Karriere.
  • Ecke Rosensteingasse/Schumanngasse, 17. Bezirk: In der Postsporthalle war Paul Breitner im März 2013 zu Gast und sichtete Talente der youngCaritas Käfig League für den Youth Cup des FC Bayern.
  • Michaelerstraße 31, 18. Bezirk: Beim „Prominentenschneider“ Peppino Teuschler war Franz Beckenbauer 1982 als Kunde zu Gast.
  • Armbrustergasse 5, 19. Bezirk: Beim Heurigen Zimmermann gab Austria Wien im November 1985 zu Ehren des Europacup-Gegners Bayern München einen Empfang. „Bayern-Präsident Professor Scherer genoß sichtlich die Wiener Atmosphäre. Und Geschäftsführer Hopfner meinte hintergründig: ‚Da sieht man halt, was die Wiener uns voraus haben’“, schrieb die Arbeiter-Zeitung.
  • Klabundgasse, 19. Bezirk: 1998 heuerte Paul Breitner bei der damals zweitklassigen Vienna als Berater an. Im Kurier schrieb Wolfgang Winheim drei Jahre später dazu: „Schon die Vienna hatte einmal mit Paul Breitner einen bayrischen Ex-Weltmeister als Berater engagiert, der die Döblinger für ein sechsstelliges Honorar wissen ließ, dass die Strukturen nicht stimmen.“
  • Hammerfestweg 1, 22. Bezirk: Hier befindet sich David Alabas Volksschule. Weitere von ihm absolvierte Schulen: Polgarstraße 24 (22. Bezirk) und Wittelsbachstraße 6 (2. Bezirk).
  • Sandefjordgasse, 22. Bezirk: Hier wächst David Alaba in einem Gemeindebau auf.
  • Kreisverkehr Hammerfestweg/Sandefjordgasse, 22. Bezirk: Auf der hier befindlichen Fußballwiese hat David Alaba als kleiner Bub gekickt. „Hier habe ich das Fußballspielen gelernt und die meiste Zeit meiner Jugend verbracht“, so Alaba im Adidas-Spot auf Youtube.

Ein Gedanke zu „Wien für Fans des FC Bayern

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